Erzherzog Karl Ludwig

Eine Idee wird Wirklichkeit
1874 - 1876

osef Rabl: "Wohl werden Viele den Kopf schütteln und nicht begreifen können, wie man sein Geld ausgeben mag auf einen gewiss sich nie rentirenden Bau! Hier zeigt sich nun deutlich der Vortheil der Association, die Nützlichkeit der Vereine, denn was der Einzelne nie wagt, der Verein unternimmt es!"

Bis zum Jahre 1784 galt eine Aufschließung des Rax- und Schneeberggebietes als unmöglich. In der Biedermeierzeit war der Weg vom Preiner Gscheid über die Siebenbrunnenwiese und der Schlangeweg als "gefährlich" verschrien.

Vorerst war es ausschließlich dem Kaiser und seinem Gefolge bei ihren Jagdgesellschaften vorbehalten, die Gebiete der Wiener Hausberge zu durchstreifen, sowie den Holzfällern und Bauern bei ihrer beschwerlichen und gefährlichen Arbeit.

"Der Gedanke, ein Schutzhaus auf der Höhe der Raxalpe zu bauen, entsprang zuerst aus sehr hoher Quelle. Se. k. k. Hoheit der durchlauchtigste Erzherzog Karl Ludwig war es, welcher Einstmals mit allerhöchst Sr. Familie die Raxalpe besteigend, vom Unwetter überrascht, gezwungen war, die Nacht in einer unwirthlichen Alpenhütte zu verbringen, und da den Entschluss fasste, ein Haus auf der Höhe der Raxalpe zu erbauen." (Josef Rabl)

Der Erzherzog erinnerte sich daran, Protector alpiner Vereine zu sein, ersuchte in einem Schreiben an die Section Austria des deutschen und österreichischen Alpenvereines die Wiener Gebirgsvereine, ihn bei diesem Unternehmen zu unterstützen und überließ es somit erfahreneren, das Projekt durchzuführen.

Mitglieder der Kuglergesellschaft "Die Leitung der Section Austria unterrichtete den Touristen-Club mittels Zuschrift vom 5. August 1874 hievon, mit dem Bemerken, dass ein zu diesem Zwecke gemeinschaftlich zu errichtendes Comité Herr Dr. B. Barth, Vorstand-Stellvertreter und Herr Fischer v. Röslerstamm abgeordnet seien. Der Club war gerne bereit, seine in dieser Richtung gesammelten Erfahrungen zur Verfügung zu stellen und entsandte in dieses Comité seine beiden Ausschußmitglieder, die Herren Ludwig Etterich, k. k. Ingenieur und Carl Krahl, k. k. Hofwappenmaler.
Nach kurzer Berathung über Grösse, Stellung des Hauses etc., wurden von Herrn Etterich zwei Pläne zu Häusern verschiedener Grösse angefertigt und dieselben nebst Angabe der beiläufigen Kosten für jedes Sr. k. k. Hoheit unterbreitete; Hochderselbe entschied sich indess dahin, von dem Baue eines solchen Hauses vorläufig abzusehen." (Josef Rabl)

Wie groß muß da die Enttäuschung bei den am Projekt beteiligten alpinen Vereine gewesen sein! Das 1870 erbaute Hüttchen der Alpinen Gesellschaft "D'Schwefelbanda", die Lackenhoferhütte, genügte dem aufwärts strebenden Tourismus nicht mehr.

Wer genau schaut sieht es: das alte Fundament Genau an jenem Platz, den die Karte Josef Rabls aus dem Jahre 1877 beschreibt, fand ich das "Fundament" der Lackenhoferhütte. Der Uneingeweihte wird den Steinhaufen wohl kaum als ein solches erkennen und sich höchstens über den vermeintlichen Unrat ärgern. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich dieser Schrott jedoch als Zeuge der Vergangenheit, der vom unbesonnenen Wanderer durch frischen Müll ergänzt wurde. Neben Blechstücken, Scharnieren und Türbeschlägen läßt sich die Feuerstelle, die Türschwelle und ein verrottetes Bodenbrett erahnen.

Zurück in die Vergangenheit! Noch steht das Karl Ludwig-Haus nicht. Nach der Absage des Erzherzogs war das "Hospiz auf der Rax" zwar nicht vergessen, doch mußte es erst hinter der schon vorher geplanten Errichtung der Frischaufhütte in den Sanntaler Alpen zurückstehen. Am 24. März 1874 wurde in der Ausschußsitzung des ÖTK von Carl Krahl ein schriftlicher, von zehn Ausschußmitgliedern mitunterzeichneter Antrag für den Bau eines Hauses auf der Raxalpe vorgelegt und beschlossen. Nach weiteren Verhandlungen erklärte sich über ein Jahr später (26. April 1875) die Sektion Austria einverstanden, gemeinschaftlich mit dem ÖTK ein Schutzhaus auf der Rax zu erbauen und entsandte Dr. Burkhard, Eduard Fischer v. Röslerstamm und Dr. Freiherr v. Sommaruga ins Baukomitee.

Kuglergesellschaft, 1903

"Nach Zusammentritt dieses Comité's, in welches seitens des Club der Obmann der Bausection, Herr Ludwig Etterich und die Ausschussmitglieder, Herr Carl Krahl und Herr Anton Silberhuber abgeordnet wurden, verstärkte sich dasselbe noch durch Herrn G. Ch. Bader, Architekt der Wiener Baugesellschaft als Sachverständigen und begann sofort seine Thätigkeit, indem es die beiläufige Grösse des zu erbauenden Hauses ermittelte, durch die Herren Bader und Etterich Planskizzen anfertigen liess und nach wiederholten Begehungen der Raxalpe, um eine möglichst schneefreie Lage ausfindig machen zu können, am 30. Mai 1875 den Bauplatz commissionell bestimmte." (Josef Rabl)

Am 5. Dezember 1875 wurde dem Projekt die "äußerste Dringlichkeit" zuerkannt und der Beschluß gefaßt, sofort mit den Sammlungen der erforderlichen Mittel im Kreis der Mitglieder und Gönner zu beginnen:

"Da erklärte im Monate Februar 1876 die Section Austria, von der Gemeinschaft des Baues zurücktreten zu müssen, da sie durch den Bau des Hauses auf dem Dachstein und die Herausgabe der Karten des Salzkammergutes ohnehin übermässig belastet sei. Der Club ward jedoch durch diese ganz ausser seiner Berechnung liegenden Thatsache keineswegs entmuthigt." (Josef Rabl)

Die Kostensumme des ersten Voranschlages von 6.500 Gulden war ja gedeckt. Es kam allerdings zu einem zweiten, erweiterten Bauplan, welcher 8.000 Gulden erfordert hätte. In der Generalversammlung vom 21. April 1876 beschloß man, auf der Raxalpe ein ca. 13 Meter langes und 10 Meter breites, einstöckiges Schutzhaus, dessen Erdgeschloß aus Mauerwerk und dessen Stockwerk aus Holz herzustellen sei, zu errichten, wofür 10.000 Gulden zugestanden würden. Eduard Matras berichtet uns in der Österreichischen Touristen-Zeitung vom 15. 10. 1937 jedoch noch von einem dritten Plan, dem die "Köpfe" des ÖTKs mit 12.500 Gulden einverständlich zunickten.

Obwohl die Baukosten innerhalb von vier Monaten auf das Doppelte der ursprünglich veranschlagten Summe angestiegen waren, konnte sich der ÖTK keinen Rückzieher mehr erlauben. Nicht nur die Wiener Bergsteiger waren über das Projekt informiert, auch an allerhöchster Stelle mußte man darüber bescheid und hatte ja auch seine Spende dazu übergeben.

Die Beschreibung der Bauarbeiten möchte ich Josef Rabl überlassen, der kurz und prägnant alle darin involvierten Firmen und Personen auflistet:

Klicken, um das Bild zu vergrößern Weder Rabl noch einer der anderen Chronisten beschreibt die Mühen, die die an dem Bau beteiligten Mensche hatten. Eie Zufahrt zum Preiner Gscheid dürfte sich wesentlich schwieriger als heute gestaltet haben. Der Bau der Liechtensteinstraße wurde erst im Oktober 1913 (also 37 Jahre später) vollendet. Betrachtet man den Schlangenweg in seiner heutigen ausgebauten Form, so kann man sich an einigen Stellen nur schwer vorstellen, wie da ein Pferde- oder Eselfuhrwerk, voll mit Baumaterial beladen, hinaufgekommen sein soll. Und sosehr sich Mensch und Tier wohl eine Materialseilbahn gewünscht haben - ihr Bau wurde erst 1929 aktuell. Auf der Rax ist der Sommer sehr kurz und der Winter dafür umso länger. Herrlichster Sonnenschein kann sich urplötzlich in Regen, ja sogar in Gewitter oder Hagel verwandeln. Ein ungelenkiger Wagen mit einem nervösen Gespann konnte schnell in den steilen, glatten Kehren des Schlagenweges abstürzen.

Wahrscheinlich ist das Schlimmste, was wir uns vor unserem geistigen Auge vorstellen können, noch harmlos gegen das, was damals, als die Bauarbeiten am Karl Ludwig-Haus im Gange waren, wirklich passierte.

kostenloser Web- und download Statistikservice

by fj1200
Wir weisen darauf hin, daß wir uns nicht für den Inhalt der Seiten verantwortlich zeichnen,
auf die von unserer Homepage aus verlinkt wird.
Sollte hier keine Navigation zu sehen sein, klicke auf
www.suf.at