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osef Rabl: "Wohl werden Viele den
Kopf schütteln und nicht begreifen können, wie man sein Geld ausgeben mag auf
einen gewiss sich nie rentirenden Bau! Hier zeigt sich nun deutlich der Vortheil
der Association, die Nützlichkeit der Vereine, denn was der Einzelne nie wagt,
der Verein unternimmt es!"
Bis zum Jahre 1784 galt eine
Aufschließung des Rax- und Schneeberggebietes als unmöglich. In der Biedermeierzeit
war der Weg vom Preiner Gscheid über die Siebenbrunnenwiese und der Schlangeweg als
"gefährlich" verschrien.
Vorerst war es ausschließlich dem Kaiser und seinem Gefolge bei ihren Jagdgesellschaften vorbehalten,
die Gebiete der Wiener Hausberge zu durchstreifen, sowie den Holzfällern und Bauern bei ihrer beschwerlichen und
gefährlichen Arbeit.
"Der Gedanke, ein Schutzhaus auf der Höhe der Raxalpe zu bauen, entsprang zuerst aus sehr hoher Quelle. Se. k. k. Hoheit der durchlauchtigste Erzherzog Karl Ludwig war es, welcher Einstmals mit allerhöchst Sr. Familie die Raxalpe besteigend, vom Unwetter
überrascht, gezwungen war, die Nacht in einer unwirthlichen Alpenhütte zu verbringen,
und da den Entschluss fasste, ein Haus auf der Höhe der Raxalpe zu erbauen." (Josef Rabl)
Der Erzherzog erinnerte sich daran, Protector alpiner Vereine zu sein, ersuchte
in einem Schreiben an die Section Austria des deutschen und österreichischen
Alpenvereines die Wiener Gebirgsvereine, ihn bei diesem Unternehmen zu unterstützen
und überließ es somit erfahreneren, das Projekt durchzuführen.
"Die Leitung der Section Austria unterrichtete den Touristen-Club mittels Zuschrift
vom 5. August 1874 hievon, mit dem Bemerken, dass ein zu diesem Zwecke gemeinschaftlich
zu errichtendes Comité Herr Dr. B. Barth, Vorstand-Stellvertreter und Herr Fischer
v. Röslerstamm abgeordnet seien. Der Club war gerne bereit, seine in dieser Richtung
gesammelten Erfahrungen zur Verfügung zu stellen und entsandte in dieses Comité
seine beiden Ausschußmitglieder, die Herren Ludwig Etterich, k. k. Ingenieur und
Carl Krahl, k. k. Hofwappenmaler.
Nach kurzer Berathung über Grösse, Stellung
des Hauses etc., wurden von Herrn Etterich zwei Pläne zu Häusern verschiedener
Grösse angefertigt und dieselben nebst Angabe der beiläufigen Kosten für jedes
Sr. k. k. Hoheit unterbreitete; Hochderselbe entschied sich indess dahin, von
dem Baue eines solchen Hauses vorläufig abzusehen." (Josef Rabl)
Wie groß muß da die Enttäuschung bei den am Projekt beteiligten alpinen Vereine
gewesen sein! Das 1870 erbaute Hüttchen der Alpinen Gesellschaft "D'Schwefelbanda",
die Lackenhoferhütte, genügte dem aufwärts strebenden Tourismus nicht mehr.
Genau an jenem Platz, den die Karte Josef Rabls aus dem Jahre 1877 beschreibt, fand ich
das "Fundament" der Lackenhoferhütte. Der Uneingeweihte wird den Steinhaufen wohl kaum
als ein solches erkennen und sich höchstens über den vermeintlichen Unrat ärgern.
Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich dieser Schrott jedoch als Zeuge der
Vergangenheit, der vom unbesonnenen Wanderer durch frischen Müll ergänzt wurde.
Neben Blechstücken, Scharnieren und Türbeschlägen läßt sich die Feuerstelle,
die Türschwelle und ein verrottetes Bodenbrett erahnen.
Zurück in die Vergangenheit! Noch steht das Karl Ludwig-Haus
nicht. Nach der Absage des Erzherzogs war das "Hospiz auf
der Rax" zwar nicht vergessen, doch mußte es erst hinter der schon vorher geplanten Errichtung der
Frischaufhütte in den Sanntaler Alpen zurückstehen. Am 24. März 1874 wurde in der Ausschußsitzung des
ÖTK von Carl Krahl ein schriftlicher, von zehn Ausschußmitgliedern mitunterzeichneter Antrag für den Bau
eines Hauses auf der Raxalpe vorgelegt und beschlossen. Nach weiteren Verhandlungen erklärte sich
über ein Jahr später (26. April 1875) die Sektion Austria einverstanden, gemeinschaftlich mit dem
ÖTK ein Schutzhaus auf der Rax zu erbauen und entsandte Dr. Burkhard, Eduard Fischer v. Röslerstamm und
Dr. Freiherr v. Sommaruga ins Baukomitee.

"Nach Zusammentritt dieses Comité's, in welches seitens des Club der Obmann der Bausection, Herr
Ludwig Etterich und die Ausschussmitglieder, Herr Carl Krahl und Herr Anton Silberhuber abgeordnet
wurden, verstärkte sich dasselbe noch durch Herrn G. Ch. Bader, Architekt der Wiener Baugesellschaft
als Sachverständigen und begann sofort seine Thätigkeit, indem es die beiläufige Grösse des zu
erbauenden Hauses ermittelte, durch die Herren Bader und Etterich Planskizzen anfertigen liess
und nach wiederholten Begehungen der Raxalpe, um eine möglichst schneefreie Lage ausfindig machen
zu können, am 30. Mai 1875 den Bauplatz commissionell bestimmte." (Josef Rabl)
Am 5. Dezember 1875 wurde dem Projekt die "äußerste Dringlichkeit" zuerkannt und der Beschluß
gefaßt, sofort mit den Sammlungen der erforderlichen Mittel im Kreis der
Mitglieder und Gönner zu beginnen:
"Da erklärte im Monate Februar 1876 die Section Austria, von der Gemeinschaft des Baues zurücktreten
zu müssen, da sie durch den Bau des Hauses auf dem Dachstein und die Herausgabe der Karten
des Salzkammergutes ohnehin übermässig belastet sei. Der Club ward jedoch durch diese ganz ausser seiner
Berechnung liegenden Thatsache keineswegs entmuthigt." (Josef Rabl)
Die Kostensumme des ersten Voranschlages von 6.500 Gulden war ja gedeckt. Es kam allerdings zu einem
zweiten, erweiterten Bauplan, welcher 8.000 Gulden erfordert hätte. In der Generalversammlung vom 21.
April 1876 beschloß man, auf der Raxalpe ein ca. 13 Meter langes und 10 Meter breites, einstöckiges
Schutzhaus, dessen Erdgeschloß aus Mauerwerk und dessen Stockwerk aus Holz herzustellen sei, zu errichten,
wofür 10.000 Gulden zugestanden würden. Eduard Matras berichtet uns in der Österreichischen Touristen-Zeitung
vom 15. 10. 1937 jedoch noch von einem dritten Plan, dem die "Köpfe" des ÖTKs mit 12.500 Gulden einverständlich
zunickten.
Obwohl die Baukosten innerhalb von vier Monaten auf das Doppelte der ursprünglich
veranschlagten Summe angestiegen waren, konnte sich der ÖTK keinen Rückzieher mehr
erlauben. Nicht nur die Wiener Bergsteiger waren über das Projekt informiert, auch
an allerhöchster Stelle mußte man darüber bescheid und hatte ja auch seine Spende dazu übergeben.
Die Beschreibung der Bauarbeiten möchte ich Josef Rabl überlassen, der kurz und prägnant alle darin
involvierten
Firmen und Personen auflistet:
Weder Rabl noch einer der anderen Chronisten beschreibt die Mühen, die die an dem Bau
beteiligten Mensche hatten. Eie Zufahrt zum Preiner Gscheid dürfte sich wesentlich
schwieriger als heute gestaltet haben. Der Bau der Liechtensteinstraße wurde erst im Oktober 1913
(also 37 Jahre später) vollendet. Betrachtet man den Schlangenweg in seiner heutigen ausgebauten Form, so kann man
sich an einigen Stellen nur schwer vorstellen, wie da ein Pferde- oder Eselfuhrwerk, voll mit
Baumaterial beladen, hinaufgekommen sein soll. Und sosehr sich Mensch und Tier wohl eine
Materialseilbahn gewünscht haben - ihr Bau wurde erst 1929 aktuell. Auf
der Rax ist der Sommer sehr kurz und der Winter dafür umso länger. Herrlichster Sonnenschein kann sich urplötzlich in Regen, ja sogar in Gewitter oder Hagel verwandeln.
Ein ungelenkiger Wagen mit einem nervösen Gespann konnte schnell in den steilen, glatten Kehren des
Schlagenweges abstürzen.
Wahrscheinlich ist das Schlimmste, was wir uns vor unserem geistigen Auge vorstellen können, noch
harmlos gegen das, was damals, als die Bauarbeiten am Karl Ludwig-Haus im Gange waren, wirklich
passierte.