haus1877c

Grund- und Schlußsteinlegung
  1876/77

er 10. September 1876 war zum Festtag erklärt worden: die Grundsteinlegung, zu der auch der Erzherzog Karl Ludwig erscheinen sollte. Daß man sich gründlich auf diesen hohen Besuch als ein "großes sensationelles Ereignis" vorbereitet hatte, geht eindrucksvoll aus den Berichten der Chronisten hervor:

"Kurz vor neun Uhr kündigten drei rasch aufeinanderfolgende Kanonenschläge an, daß der Erzherzog das Siebenbrünnertal erreicht habe. Sofort wurde am Preiner Wetterkogel die von der Gesellschaft 'D'lustigen Alm-Buam' gewidmete acht Meter lange schwarzgelbe Flagge aufgezogen, und donnerten auch von dort Kanonenschläge herab. Es war ein schöner, spannungsvoller Moment. Die Sonne brach siegreich durchs Gewölk. Lang hinrollend, in herrlichem Echo widerhallten die Kanonenschläge an den Abstürzen des Preiner Wetterkogels und Predigtstuhles. Auf allen vorspringenden Felsen drängten sich Gruppen und blickten zur Tiefe, wo man das Herannahen des Erzherzogs beobachten konnte."
"Mehrere Triumphpforten aus Tannenreisig, mit Fahnen und Lampions geschmückt, zierten den Weg von Prein über das Preiner Gscheid auf die Raxhochfläche. Als der Protektor am Bauplatz erschien, 'erdröhnten hundertstimmige Hochrufe und Böllerschüsse', und unter den Klängen der Volkshymne wurde Erzherzog Karl Ludwig vom damaligen Klubpräsidenten Dr. Leopold Schiestl ehrfurchtsvoll empfangen und zum fahnengeschmückten Festplatz geleitet."
Dann folgten die üblichen Ansprachen, auf die der Erzherzog "mit starker und lauter Stimme" antwortete. Unter Böllerschüssen und der feierlich vorgetragenen Volkshymne wurde der Grundstein mittels Mörtel und den herkömmlichen Hammerschlägen befestigt. Ein riesiges Volksfest mit Ringkämpfen, Stockwerfen und Wetterläufen bildete den Abschluß der Feier, mit der auch die Eröffnung des vom ÖTK erbauten "Gamsecksteiges" verbunden war.

Wegweiser An jenem denkwürdigen Tag bedrohte eine wahre "Touristeninvasion" die sonst so ruhige Gegend. Es wird berichtet, daß "einschließlich der zahlreich zugeströmten Landbevölkerung etwa 300 Personen auf dem Raxplateau gewesen seien".

Sofort nach der Grundsteinlegung wurden die Bauarbeiten fortgesetzt, um bis zum Einbruch des Winters noch alles, im wahrsten Sinne des Wortes, unter Dach und Fach zu bringen. Josef Rabl berichtet uns darüber.

Am 16. September 1877 erfolgte die Schlußsteinlegung und die Eröffnung des "Karl Ludwig-Hauses", an welcher trotz stürmischem Wetter über 300 Personen teilnahmen. Die Österreichische Touristen-Zeitung schildert die Festivität in ihrem 66. Jahrgang.

Letzendlich betrugen die Baukosten 15.931 Gulden, ein Betrag, der bis dahin noch nie in den Bau eines Schutzhauses investiert worden war, und der nur durch die Großzügigkeit zahlreicher edler Spender aufgebracht werden konnte.

Wer das Karl Ludwig-Haus in seiner heutigen Form kennt und noch nie ein Bild oder einen Plan des "Ur-Karl Ludwig-Hauses" gesehen hat, ist erstaunt, wie klein das Gebäude damals war! Seine Länge betrug 12 Meter, die Breite 9,64 Meter. Mit den Räumlichkeiten des Jahres 1877 stimmen nur noch das alte Gastzimmer, im Plan "Gesellschafts-Saal" genannt, und die Küche überein. (Natürlich wurden auch hier bei den zahlreichen Umbauten Verbesserungen vorgenommen, auf die ich später noch zu sprechen komme.)

tafel Begibt man sich in den sog. "Eisenbahnerwaggon", findet der interessierte Besucher eine Marmortafel, eben jene, die bei der Eröffnungsfeier enthüllt wurde. Diese Wand war 1877 noch eine der Außenmauern. Die Türe, welche die Veranda vom Stiegenhaus trennt, ist die ehemalige Außentüre. Dort, wo heute dem Durstigen die Getränke überreicht werden, befand sich damals ein kleines Fenster. Neben der Ausschank, dem einstigen "Führerzimmer", endete das Gebäude mit seiner nordöstlichen Außenmauer. Die "Essenausgabe" daneben gab es schon nicht mehr. Die Außenmauer zur Bergstation der Materialseilbahn hin behielt ihre Funktion bei und trotzt heute noch den Stürmen, die von der Heukuppe ins Tal geschickt werden.

Der Plan vom 1. Stock läßt uns in gewisser Weise das heutige "Stellagenkammerl", damals ein Zweibett-Zimmer mit der Nummer 3, das heutige "Erzherzog Karl Ludwig-Zimmer" (Nr. 4), damals ein Reservezimmer, sowie die heutigen Zimmer Nr. 8, 9, 10 und 11 sowie das spätere Pächterzimmer erkennen.

Anstelle eines zweiten Stockwerkes existierte damals nur ein Dachboden.

Habe ich die Baugeschichte des Karl Ludwig-Hauses mit Rabls "Blick hinauf" begonnen, so möchte ich ihn nun "von oben hinab schauen" lassen:

"So ist das grosse, schwierige Unternehmen durch gemeinsames Zusammenwirken und durch die hochherzige Unterstützung begeisterter Alpenfreunde glücklich zu Ende geführt worden! Auf der Höhe der Raxalpe, umspielt von den reinen Lüften des Himmels steht das schmucke Haus vollendet, und leuchtet weit hinaus in die Lande, der Stolz und die Freude des Oesterreichischen Touristen-Club; ein Musterbau, der keinen Vergleich zu scheuen braucht, und wohl berechtigt ist, den erhabenen Namen seines durchlauchtigsten Protextors zu führen.
Und so möge das Karl Ludwig-Haus eine ungemessene Reihe von Jahren hindurchbestehen und blühen, und noch vielen Generationen Schutz und Unterkunft, Rast und Labung gewähren; ein Zufluchtsort für alle, welche der dumpfen, drückenden Stadt-Atmosphäfe entronnen, für Augenblicke der Welt und ihrer Sorgen vergessend, reine Luft athmen wollen in der grossen, herrlichen Gebirgsnatur!"

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by fj1200
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