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![]() Die ersten Jahre 1877 - 1901 ![]() |
ermann
Pehofer, der das Karl Ludwig-Haus den Winter 1876/77 beaufsichtigt hatte,
wurde zum ersten Pächter bestellt. Während des ersten Bestandsjahres (1987) suchten
ihn 174 Gäste auf - also durchschnittlich jeden zweiten Tag einer.
Wie beschwerlich das Leben und die Bewirtschaftung damals gewesen ist, kann man heute angesichts der
Materialseilbahn, einer bis zum Beginn des Karl-Grabens führenden Liechtensteinstraße und einem gut
ausgebauten Wege-Netz nur vermuten. Alles, was Pehofer "oben" brauchte, mußte er selbst oder mit
Hilfe eines Esels oder Pferdes hinauftragen, was im Sommer noch angehen mochte, im
Winter aber
zum Problem wurde. Wenn der Schnee so hoch lag, daß weder Mensch noch Tier hindurchkam, wenn
eine spiegelglatte Eisschicht eine Begehung des Schlangenweges unmöglich machte oder wenn Unwetter
einen Ausflug ins Tal verhinderten, waren der Pächter und seine Frau in dem kleinen Haus oben am Plateau dazu
verurteilt, auf bessere Zeiten zu warten. Weder Radio noch Fernsehen vertrieben ihnen damals die
Langeweile - der Pehofer mußte selber singen.
Wie herzerfrischend muß es da für die beiden gewesen sein, wenn im Spätfrühling die Sonne den
Schneewächten den Garaus machte, die Wiese um das Haus ein Meer von
bunten Blumen hervorbrachte;
wenn plötzlich die Türe aufging, eine Schar von Bergsteigern Leben ins Gastzimmer brachte und nach
Speis und Trank verlangte; wenn die Bauern ihr Vieh auftrieben, die Holzknechte die Arbeit aufnahmen
und mit ihnen die Neuigkeiten und geselliger Tratsch den Berg mit hinaufkamen.
Der Aufschwung des Tourismus auf der Raxalpe stand in steter Wechselwirkung zu den Aktivitäten diverser
Bersteigervereinigungen und Alpiner Gesellschaften, welche ständig bemüht waren, auch dem
Ungeübten neue Steige und Touren zugänglich zu machen. Im Jahre 1902 bestanden bereits der
Bismarcksteig, der Teufelsbadstubensteig, der Akademikersteig, der Wiener-Neustädter-Weg, der
Gaislochsteig und der Gamsecksteig als versicherte Klettersteige, um nur einige zu nennen.
Unter diesen Umständen reichte die Kapazität des Karl Ludwig-Hauses mit seinen 21 Betten und
seinen 14 Matratzenlagern freilich nicht mehr aus. War dieses Schutzhaus bei seiner Eröffnung noch
in den Himmel gelobt worden, so zeigt ein Bericht der ÖTZ das Haus 25 Jahre später in einem
ganz anderen Licht:

"Das alte Haus war, wie alle derartigen Schutzhäuser, doch nur für das momentane Bedürfnis
angelegt. Ein winziger Eingang mit einer kleinen, steilen Stiege. Ein Speiseraum mit einer
aus abgerundeten Balken hergestellten Decke, durch deren Fugen die Wärme entwich, und einem
riesigen Kachelofen mit einer Bank und in der Höhe mit Holzleisten zum Trocknen der durchnäßten
Kleider umgeben, der wenig wärmte.
Eine geräumige Küche, ein winziges Kabinett im Parterre rechts
von der Stiege als Wohnung
für den Wirtschafter. Im ersten Stock zwei größere und vier kleine Zimmer. Auf dem Boden
Pritschenlager. Mehrere Zimmer waren nicht beheizbar. Unmittelbar neben dem Eingange, gegenüber
der Stiege, war das Klosett.
Um den Eingang nur einigermaßen vor Wetterunbill zu schützen, wurde schon vor Jahren ein
primitiver Vorbau hergestellt.
An das Hauptgebäude angelehnt war ein Flugdach, dessen Traufkante nahezu den Boden berührte, und
dessen Bestimmung wohl den meisten Besuchern des Hauses unbekannt geblieben sein dürfte; es war
diese Hütte einerseits der Esel- und Pferdestall, andererseits, von der Küche zugänglich, die
Vorratskammer, und ihr Flugdach, halb morsch, stellte dem Eindringen des Regens nicht das
geringste Hindernis entgegen. Wer den desolaten Zustand dieses Anbaues gesehen, hatte die
Überzeugung, daß vor allem für diese zur Bewirtschaftung äußerst wichtigen Räume ein Ersatz
geschaffen werden müsse."
Bei einer derart schlechten
Beschaffenheit der Wirtschaftsräume mußte es soweit kommen, daß
der Betrieb nicht mehr funktionierte. Selbst das beste Essen konnte die Ungemütlichkeit des
herabgekommenen Gebäudes nicht wett machen. Die Besucher waren unzufrieden, die Frequenz des
Hauses nahm zusehends ab und die Wanderer suchten diejenigen Schutzhütten auf, wo ihnen mehr
Bequemlichkeit und eine reichhaltigere und bessere Verpflegung geboten wurden.