Der erste Zubau
1901 - 1903

m 1.10.1901 übernahmen Franz und Maria Hahndl das Haus, jenes legendäre Pächterehepaar, welches später von seinen Gästen und Freunden liebevoll "Vater und Mutter Hahndl" genannt wurde. Dieser Kosename kam sicher nicht von ungefähr. Vom ersten Tag an gaben die beiden ihr Bestes, was zwar wieder mehr Leben ins Haus brachte - während der Zeit ihrer Bewirtschaftung war die Besucherzahl auf rd. 10.000 pro Jahr angestiegen - aber die bestehenden Mängel nur noch deutlicher werden ließ.

Der Zentralausschuß des ÖTK sah sich daher gezwungen, die Mißstände zu beseitigen, noch dazu, wo das Karl Ludwig-Haus nicht mehr das einzige Schutzhaus auf der Raxalpe war. 1893 war von der Sektion Reichenau des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins das Otto-Schutzhaus eröffnet worden, 1899 vom Niederösterreichischen Gebirgsverein das Habsburghaus.

Der erste Bauvorschlag umfaßte nur die unbedingt notwendige räumliche Vergrößerung: den Bau einer Veranda, eines Schlafraumes mit Matratzenlagern, die erforderlichen Toiletten, einem Abwasch- und einem Vorratsraum, sowie ein eigenes Gebäude, in welchem die Stallungen und die Holzkammer untergebracht werden sollten.

Die Vermutung liegt nahe, daß "Vater und Mutter Hahndl" bei dem Bauvorhaben ein Wörtchen mitgeredet haben. Mit diesem Plan wäre wohl mehr Raum für eine größere Anzahl von Gästen geschaffen worden, doch hatte man komplett auf das wackere Pächterpaar vergessen, welches in seiner Privatstube von ca. 2,7 x 3 Meter nicht recht glücklich werden konnte.

"Es wurde daher beschlossen, auch über dem projektierten Schlafraum ein Stockwerk in der Höhe des alten Gebäudes zu errichten und den dadurch gewonnenen Raum in Gastzimmer zu teilen. Dadurch wurde es möglich, fünf neue Gastzimmer zu gewinnen und dem Pächter ein großes Zimmer als Wohnung zu geben."

Nach 25 Jahren war das Karl Ludwig-Haus seinen Kinderschuhen entwachsen. Die Durchführung des Um- und Zubaues wurde Baumeister Franz Kupka übertragen. Das zugebaute riesige Matratzenlager über die ganze Breitseite des Hauses, getrennt in Damen- und Herrenschlafsaal, mit seinen wuchtigen Holzbalken zeigt sich heute noch, wie es damals geschaffen wurde. Seine stabile Beauweise, verbunden mit der dunklen Farbe der Lagerbauten und der Holzvertäfelung sowie das kleine Fenster, das nur wenig Licht einläßt, vermittelt trotz seiner Gemütlichkeit viel vom harten Leben auf der Raxalpe.

Ein Verbindungsgang führte damals in die neu erbaute Veranda, die sich wesentlich kleiner als die heutige präsentierte (heute: von der Glas-Schiebetüre bis zur Trennwand zwischen Vorraum und Ausschank). Immerhin konnten hier 50 Gäste gemütlich Platz nehmen. Das ehemalige Führer- bzw. Pächterzimmer wurde zu dem umfunktioniert, was es bis jetzt geblieben ist: zur Ausschank, wobei es den Hahndls endlich möglich wurde, Faßbier auszuschenken. Der Raum daneben, die heutige Essensausgabe, war als Extrazimmer für die Mitglieder es ÖTKs projektiert.

Auch das alte Gastzimmer wurde verschönert: es erhielt einen Holzplafond und die noch heute bestehende Wandtäfelung.

Durch die Verlegung der Klosetts in den Neuzubau konnte der Vorraum wesentlich vergrößert werden. Der kalte und unschöne Zement-Estrich in der Küche wurde mit einem Holzboden bedeckt, eine wahre Wohltat für das Küchenpersonal.

Von der Küche gelangte man durch eine Türe in zwei neue Räume: in die Abwaschküche und die Vorratskammer, in welcher es nun endlich möglich wurde, "musterhafte Ordnung und Reinlichkeit" zu halten und Fleischvorräte in Eis zu betten.

Eine wesentliche Vergrößerung ergab sich durch den Zubau im 1. Stock, wo außer dem Pächterzimmer fünf neue Gästezimmer hinzukamen. Alsbald fanden sich Spender für deren Einrichtungen, die zum Teil bis in unsere Tage erhalten geblieben sind.

Durch einen Syrius-Apparat zur Gaserzeugung, der seinen Platz in der Abwaschküche fand, war es nunmehr möglich, sämtliche Gästezimmer, die Veranda und das alte Gastzimmer zu beheizen, sowie Veranda, Küche, Gänge und alle Restaurationsräume zu beleuchten. Ein wesentlicher Vorteil dieses Petroleumdestilat-Kohlenwasserstoff-Luftgemisches war es, daß es nur von einer offenen Flamme (zB einem Streichholz) entzündet werden konnte. Eine Zigarettenglut oder ein glosendes Holzstück erlosch hingegen daran, als wäre es in Wasser getaucht worden.

Der Gasolinbehälter erzeugte das Gas mittels eines Gewichtes, dessen Zugvorrichtung am Kopf des Carbonators (Gastank) angebracht war, wodurch Luft in den Behälter einströmen konnte. Das am Hauptbehälter angebrachte Leitungssystem nahm das bereits brennbare Gas-Luftgemisch auf und brachte es zu den einzelnen Brennern, wobei jedoch völlig belanglos war, wie viele davon in Betrieb waren; die Anlage erzeugte nur soviel von dem Gas, wie gerade benötigt wurde.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil des Syriusgases war, daß das Einatmen von ausströmendem Gas für Mensch und Tier ungefährlich war.

In ein separates Nebengebäude wurden die Stallungen für Pferde, Esel und Schweine, der Hühnerstall und der Heuboden, sowie die Holzkammer untergebracht. Zwischen dem Haupt- und dem Stallgebäude wurde ein Flugdach mit Schutzplanke angebracht, nicht nur, um einen angenehmeren Zugang zum Nebengebäude zu ermöglichen, sondern auch, um Platz zur Aufspeicherung des Holzvorrates zu schaffen.

Außer diesen, den Gästen des Karl Ludwig-Hauses sofort ins Auge springenden Veränderungen waren noch einige andere, nicht weniger mühevolle Arbeiten notwendig.

D'Reißtaler spendeten die Verseilung.

Am 14. Juni 1903 konnte das Karl Ludwig-Haus in neuem Glanz und mit dem aufstrebendem Alpentourismus entsprechender Kapazität bei seiner 25-Jahr-Feier eröffnet werden. Dieses imposante Fest gestaltete sich zugleich zu einem Fest der Verbrüderung aller alpinen Vereine. Klubpräsident Dr. Rudolf Spannagel hielt die Eröffnungsrede.



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