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In
Albern, wo das Auwald- und Wiesengebiet an den Hafen grenzt - "Sauhaufen"
wird dieses Gebiet genannt - liegt der kleine Friedhof. Man findet ihn unschwer,
folgt man dem Schild von der Straße hinein in den großen Ladeplatz
des Albener Hafens, weit nach hinten, wo das Augebiet beginnt.
1854 fand dort die erste Beisetzung einer unbekannten Wasserleiche statt. Ein
Wasserwirbel trieb bei Stromkilometer 1918 immer wieder neben Treibgut auch die
Körper von Ertrunkenen an Land. Menschen, oft bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet.
Menschen, von denen man nicht wußte, wer sie waren. Eine Identifikation
war meistens nicht möglich. Ein pompöses Begräbnis blieb ihnen
verwehrt. In Meterabständen wurden sie sang- und klanglos der Erde übergeben.
So entstand der erste Friedhof, der immer wieder überschwemmt wurde und heute
von Bäumen überwachsen ist. 478 Opfer der Donau ruhen dort.
Dem
Simmeringer Bezirksvorsteher Albin Hirsch ist es zu verdanken, daß 1900
unter freiwilliger Mitwirkung der Simmeringer Handwerker ein zweiter Friedhof
angelegt wurde, der sich nun hinter dem Schutzdamm befindet.
1935 erhielt der Friedhof bei Verstärkungsarbeiten am Schutzdamm eine steinerne
Umfassungsmauer und eine Einsegnungskapelle. 104 Wasserleichen sind hier beerdigt,
von 61 weiß man keinen Namen.
Als
1939 die großen Getreidesilos gebaut wurden, erhielt die Strömung eine
andere Richtung. Seitdem wurde dort keine Leiche mehr angespült. Die letzte
Bestattung fand 1940 statt. Der "Friedhof der Namenlosen" wird aber
von der Hafengesellschaft sowie der Stadt Wien weiter erhalten.
Die
Gräber sind einfache, schmucklose Erdhügel, ohne Umrandung, ohne Grabstein.
Geziert durch ein einfaches schmiedeeisernes Kreuz mit einem weißen oder
silbernen Jesus. Die Natur spielt den Gärtner. Efeu überwuchert die
Namensschilder, da und dort hat sich ein Samen verfangen und eine Pflanze treiben
lassen.
"Wilhelm Töhn
Ertrunken durch fremde Hand am 1. Juni 1904 im 11. Lebensjahr".
Eine Aufschrift, die manchem nahegeht.
Auf
den meisten Schildern steht "namenlos", "unbekannt", "männlich",
"weiblich" und vielleicht noch ein Datum - jenes, an dem die Leiche
angeschwemmt wurde. Fast verblaßt die Schrift auf der Tafel des Johann Nowosel:
"gest. 7.6.1932 Fahrradunglück".
Die Geschichte wird lebendig. Ermordete, Unfallopfer, Selbstmörder. Namenlos
aus den Fluten gezogen. Ungeklärte Kriminalfälle. Oder später rekonstruiert,
wer die Wasserleichen waren. Von Hand ein Schild geschrieben. Jahreszahlen und
vielleicht noch den Beruf dazu. Das war's.
Erst
wenn man den Friedhof verläßt, entdeckt man das Gedicht des Graf Wickenburg:
Tief im Schatten alter Rüstern,
Starren Kreuze hier am düstern
Uferrand.
Aber keine
Epitaphe,
Sage uns wer unten schlafe.
Kühl im Sand.
Still ist's in den weiten Augen.
Selbst die Donau ihre blauen
Wogen hemmt.
Denn sie schlafen hier gemeinsam,
Die, die Fluten still und einsam,
Angeschwemmt.
Alle die sich hier gesellen,
Trieb Verzweiflung in der Wellen
Kalten Schoß.
Drum die Kreuze die da ragen,
Wie das Kreuz das sie getragen,
"Namenlos".

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