-SEHENSWERT
Schloß Belvedere
3, Rennweg
Die
Arbeiten an Prinz Eugens Stadtpalais hatten nicht einmal noch begonnen, als er
schon plante, sich auch eine Sommerresidenz errichten zu lassen und dazu bereits
1693 den ersten Weingarten neben dem "Heugaßl" erwarb. Systematisch
kaufte er dann das Land zwischen dem Anwesen des Grafen Mansfeld Fondi und dem
Kloster der Salesianerinnen auf. Erst 40 Jahre später sollte Eugen in seinem
neuen Schloß residieren können, denn seine häufige Abwesenheit
als Feldherr verzögerte die Bauarbeiten.
Dominique Girard, der in Versailles gearbeitet hatte, wurde von Eugen mit der
Ausgestaltung des Parks mit seinen komplizierten wassertechnischen Anlagen und
den nur zum Teil erhalten gebliebenen Skulpturen betraut. Der Wiener Gärtner
Anton Zinner führte die Arbeiten aus.
1702 entschied der Prinz, daß Johann Lukas von Hildebrandt der Richtige
wäre, um die Gebäude zu konzipieren - womit der Grundstein zur lebenslangen
Zusammenarbeit der beiden gelegt war.
Ursprünglich
war geplant, eine dem Barock entsprechende Stadardanlage zu bauen, wo dem im Tal
gelegenen Gartenpalast ein kleines, zierendes Bauwerk oben am Hügel gegenübersteht.
Irgendwie müssen jedoch Fischer von Erlachs erste Pläne für Schönbrunn
auf dem Tisch des Prinzen gelandet sein. Mit Eugens finanziellen Mitteln und Hildebradts
Genie stand ihrer Abwandlung und Verwirklichung nichts mehr im Weg. Damit übertraf
Eugens Sommerresidenz alles, was es an barocken Gartenanlagen in Wien gab - sogar
das kaiserliche Schloß Schönbrunn.
Das System des Barockgartens hatte zur Aufgabe, den in ihm Lustwandelnden vom
Hauptgebäude beginnend durch die mit Ornamentmustern bepflanzten Blumenbeete
(deren Farbenpracht noch durch bunten Sand und bunte Steine gesteigert wurde)
hinauf zum höchsten Punkt der Anlage zu führen, wobei die zu Kegeln
und Pyramiden zugeschnittenen Bäumchen mit ihren Licht- und Schatten-Effekten
den Gegensatz zur Farbenvielfalt setzten.
Am
Ende des Weges, der beim Unteren Belvedere beginnt, versperrt eine quergestellte
Mauer mit einem großen Bassin das Weiterkommen. Es handelt sich um die "Untere
Kaskade", in deren Mitte Tritonen und Nereiden (fischleibige Meeresgötter
und Meernymphen) einen Schalenbrunnen halten, bei dem das Wasser aus fünf
an der Mauer befindlichen Masken in das Bassin und in die Schale rinnt.
In den oberen Garten gelangt man über eine Freitreppe, die zum einem abgesenkten
Parterre führt, welches von der "Oberen Kaskade" abgeschlossen
wird. Hier ergießt sich das Wasser über mehrere flache Stufen. An der
Spitze hält sich eine Gruppe von Najaden (Quellnymphen) umschlungen.
Mein Opa sagte immer, man soll schauen, wo man hinsteigt - doch beim Spaziergang
zum Oberen Belvedere sollte man öfters einen Blick hinauf und ins Tal riskieren.
Durch
die raffinierte Gestaltung des Terrains und die darauf abgestimmten Bauten entzieht
sich das Schloß immer wieder dem Auge, um dann plötzlich wieder in
voller Größe zu erscheinen. Dann entdeckt man, daß sich die beiden
"Wasserkünste" mit dem Schloß auf der Höhe zu einer
architektonischen Gruppe vereinen. Oder man findet das Spiegelbild des Schlosses
in einer glitzernden Wasserfläche.
Meist erlebt man den Garten als Teilstück. Von bestimmten Standorten aus
sind jedoch Gesamtübersichten eingeplant. Es macht sicher Spaß, diese
Punkte zu entdecken. Die Hauptachse der Anlage ist nicht, wie es sonst meist üblich
war, auf die Hofburg, sondern zur Wiener Pforte hin ausgerichtet. Kunsthistoriker
sehen darin Eugens bewußt gesetztes Symbol zu seiner Allianz mit England.
Bleiben wir noch ein bißchen im Garten. Zu Eugens Zeit gab es viel mehr
an Ausstattungselementen, wie Treillagen mit ehemaligem Kammergarten, dem Seitengarten
der Orangerie sowie der Menagerie. All diese verlorengegangenen Details sind im
umfangreichen Stichwerk von Salomon Kleiner dokumentiert.
Die traditionelle Bepflanzung des Gartens mit Feldahorn, Kugelahorn und Robinien
ist heute nur mehr in ganz wenigen Anlagen zu finden.
Das Untere Belvedere (1713 - 1716) ist ein langgestreckter, eingeschoßiger,
35achsiger Bau, der mit der benachbarten Orangerie die gesamte Breite des Gartens
einnimmt. Mit dem Mittelrisalit der Hoffront, seinem triumphbogenartigen Eingangsportal
und der originell mit Figuren gegliederten Dachsilhouette setzte Hildebrandt -
der oft darüber klagte, daß ihn Eugen so antrieb - künstlerische
Akzente. Das Gebäude mit seinen durch Löwenköpfen ersetzten Kapitellen
hat eine sehr ruhige Ausstrahlung und zeigt mit den gleich hohen, fast bis zum
Boden reichenden Fenstern eine Neuerung in der Gartenpalastarchitektur.
Hier befanden sich die Privaträume Eugens, das Tafel- und Schlafzimmer, der
Grotesken- und Spiegelsaal, die Marmorgalerie sowie das wertvoll gefüllte
Bücherkabinett. Lediglich der zentral gelegene Marmorsaal mit dem Deckenfresko
von Martino Altomonte, der hier seinen Auftrageber als Sonnengott Apollo verherrlicht,
diente der Repräsentation.
Am
Oberen Belvedere (1721 - 1723) bekennt sich Hildebrandt zur Tradition.
Der langgestreckte, hervorragend gegliederte Baukörper nimmt ebenfalls die
gesamte Gartenbreite ein. Das Gebäude mit seinen dreigeschossigen, vierachsigen
Flügeln und den vier achteckigen, kuppenbekrönten Eckpavillions ist
mit durchgehenden Gesims- und Gebälkbändern zusammengefaßt. Garten-
und Hofseite sind gleich gestaltet, doch hat die durch das ansteigende Terrain
um einen halben Stock reduzierte Hofseite eine von fünf Arkaden durchbrochene,
vorgelagerte Einfahrtshalle, die von einem schwungvollen Giebel bekrönt ist.
Vor der Hofseite befindet sich ein großes Bassin.
Die
prunkvolle Innenausstattung ist größtenteils das Werk italienischer
Freskanten und reich an mythologischen Anspielungen. Die bemalten Wände sowie
das Deckengemälde des im Erdgeschoß liegenden Gartensaals ("Sala
terenna") stammen von Carlo Carlone ("Apollo und Aurora": Sieg
des Lichtes über die Finsternis); die Architekturmalerei von Gaetano Fanti.
Der Marmorsaal im ersten Stock ist mit rotem Marmor und Stuck verkleidet. Er steigt
durch zwei Geschoße empor und besitzt ein kuppelartiges Gewölbe mit
einem vielfiguralen Deckenfresko. Es stellt die "Allegorie des Ruhmes"
dar. Dieser Festsaal wurde weltweit bekannt, als 1955 in ihm der Österreichische
Staatsvertrag unterzeichnet wurde.
Im nordwestlichen Eckpavillion befindet sich das Goldkabinett, dessen Pendant
im nördlichen Flügel nach einer Brandkatastrophe 1950 als Kopie jenes
im nordwestlichen entstand.
Carlone schuf für die Kapelle das Deckenfresko "Gottvater und Heiliger
Geist" und Francesco Solimena das Hochaltarbild "Auferstehung Christi".
Die
Thematik der gesamten Anlage ist die Glorifizierung des Prinzen als Tugendheld
in den Gestalten des Herkules und des Apoll. Im Unteren Belvedere überwiegt
das Apoll-Thema, während im Oberen Belvedere Eugen als die Verkörperung
kriegerischer Tapferkeit und Staatsklugheit von den versammelten Göttern
des Olymp begleitet wird. Hier finden sich Pferdebändiger (wie vor dem Parlament)
und Löwensphinxen (wie vor Schloß Schönbrunn) - nur etwas kleiner
- wieder.
Heute ist im Oberen Belvedere die "Österreichische Galerie des 19. und
20. Jhdts." untergebracht, im Unteren Belvedere das "Österreichische
Barockmuseum" sowie die Schweizer Botschaft.
Unterhalb
des unteren Belvederes befindet sich das Palais Schwarzenberg.