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Mittwoch,
11:30 Uhr. Schon von fern hört man die Blaskapelle flotte Märsche spielen.
Und alle sind sie gekommen: Grete Laska, Dr. Bernhard Görg, Lugner (aus der
Nachbarschaft), Dr. Pfoser, Dr. Pascher, Dr. Ertl, die Bauarbeiter und viele Bibliothekare
und -innen als Statisten.
"Der
Bau der neuen Wiener Hauptbibliothek und Zentralverwaltung der Büchereien
ist ein weiteres deutliches Signal für den Aufschwung und die Aufwertung,
die der Gürtel derzeit erfährt. Obwohl Expertenempfehlungen grundsätzlich
davon ausgehen, daß die Mittelzone von Neubebauungen freigehalten werden
soll, kann dieses Projekt auf Grund seines wesentlichen bildungspolitischen Inhaltes
und seiner erwarteten hohen kulturellen 'Strahlwirkung' auf den unmittelbaren
Nahbereich des Bibliotheksgebäudes als 'die Ausnahme von der Regel' angesehen
werden." (Dr. Görg)
Nach flotten Ansprachen trinkt ein Bauarbeiter ein Glaserl Wein auf die bislang
gelungene Sache und läßt traditionsgemäß das Glas am Boden
zerschellen.
Die alte Bibliothek im 8. Bezirk, Skodagasse reichte ja aus, sogar Schallplatten
konnte man dort in Ruhe hören. Dann kamen neue Medien dazu, die PCs, über
die man sofort sehen kann, ob ein Buch ausgeliehen ist, und der große Info-Stand.
Natürlich auch neue Bücher. 30 Jahre nach der Eröffnung platzt
sie aus den Nähten. Und behindertengerecht ist sie auch nicht.
So wie im Bild ganz oben soll sie einmal aussehen, die neue Hauptbibliothek. Seit
November 1999 wird am Neubaugürtel, an den Urban-Loritz-Platz anschließend,
eifrig gebaut. Der Wiener Architekt Ernst Mayr ging unter einer Beteiligung von
121 Architekten als Sieger des von der Stadt Wien EU-weit ausgeschriebenen Gestaltungswettbewerbs
hervor und konzipierte ein dreigeschossiges Gebäude in Form eines Treppenbaus.
Die große Freitreppe wird "als Geste an die Öffentlichkeit"
verstanden - der neue Bau soll nicht nur ein in sich geschlossenes Lesezentrum
darstellen, sondern auch zum Kommunikations- und Kulturknotenpunkt werden.
Der Hochbauteil gründet sich auf eine Stahlbeton-Rahmenkonstruktion, wobei
sich die Stützweite von 8.10 m aus dem bestehenden Achsenmaß der darunterliegenden
Stadtbahnstation Otto Wagners herleitet. Viel Gewicht, das da dem Werk Wagners
aufs Haupt gesetzt wird!
"Die Treppe soll einen Anreiz darstellen", sagt Ernst Mayr, der
Architekt der Hauptbibliothek. "Die meisten Leute reagieren auch darauf.
Sobald sie gut bei Fuß sind, besteigen sie diesen künstlichen Berg
in der Stadt. Unten gibt es einen öffentlichen Platz, oben gibt es als Ziel
wieder einen öffentlichen Platz, und das gemeinsam mit dem Café, das
auf der Bibliothek draufsitzt, wo man im Sommer draußen sitzt. Es gibt einen
neuen Aussichtspunkt in Wien, 18 Meter über dem Urban-Loritz-Platz, von dem
man nicht nur hinten raus eine schöne Blickbeziehung zu Kahlenberg und Leopoldsberg
hat sondern auch zum Wienerberg, zu den Twin Towers und zum Wiental. Die Seitenflanken
sind durch die Aufkantung so konstruiert, daß sie einen gewissen räumlichen
Schutz bieten. Oben soll eine lebendige Welt sein."
Grete
Laska betont in ihrer Rede, daß der Bau bislang ohne Arbeitsunfall und
zeitgerecht voranschritt. Sie danke den BibliothekarInnen für den enormen
Einsatz, den diese für die Organisation des Umzugs hatten, haben und haben
werden.
Der offizielle Name des Gebäudes ist "Hauptbibliothek", allerdings
hat der Wiener für "seine" Gebäude immer noch Kosenamen gefunden,
die bezeichnender waren, als jene, die die Gemeindeväter (und -mütter)
beschlossen haben. Wir können nur gespannt abwarten.
Im Herbst 2001 soll das gute Stück fertig sein.
Die neue Hauptbibliothek in Zahlen
| Errichtungskosten |
360 Mio. öS = ca. 26,162
Mio. € |
| Brutto-Rauminhalt |
55.000 m³ |
| Einzubauender Stahl |
1.400 t |
| Länge |
ca. 150 m |
| Breite |
ca. 26,5 m |
| Höhe |
ca. 22 m |
Nettonutzfläche der
Bibliothek
und der zentralen Verwaltung |
5.085 m² |
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