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Als 1137 der Grundstein zur Stephanskirche
gelegt wurde, befand sich das gesamte Terrain noch außerhalb der Stadtmauer.
Erst die babenbergische Stadterweiterung mit der Verlegung der Ringmauer auf die
Linie der htg. Ringstraße bewirkte die regelmäßige Verbauung
der Kärntner Straße.
Die Häuser der an der Kärntner Straße angesiedelten Menschen waren
armselige Hütten, meist Holz- oder Fachwerkbauten. Das obere Stockwerk ragte
ein Stück über das Erdgeschoß vor, wodurch es in den schmalen
Straßen auch bei Sonnenschein finster war. Steine wurden nur selten zum
Bau verwendet, eher Holz und Lehm, und die Dächer pflegte man mit Schindeln
oder mit Stroh zu decken. So ist es nicht verwunderlich, daß Feuersbrünste
immer wieder große Teile der Stadt zerstörten. Auch der Zweite Weltkrieg
hinterließ seine Spuren. Viel bleib von den altehrwürdigen Bauten nicht
erhalten.
Gegen Ende des 12. Jhdts. wurde die sog. "Venediger Straße" ausgebaut,
da ihr weiterer Verlauf über Wiener Neustadt, den Semmering, über Triest
bis nach Venedig führte und der Handel mit fernen Gebieten florierte. Der
Haupt-Ausgangs- und Endpunkt für den Adriahandel war der "Neue Markt",
der damals noch baulich von der Kärntner Straße getrennt war. Mit einer
Größe von 90 x 170 m bot er Platz für die unzähligen Händler,
Handwerker und Kaufleute, die dort ihre Geschäfte abwickelten.
Auf einer Länge von 788 m und einer durchschnittlichen Breite von 9 m flaniert
heute nobles Volk und Touristen in einer Straße, die bereits im Altertum
existierte, die die Römer "strata Carinthianorum" nannten und die
in der Gründerzeit der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. verbreitert und
zu einer noblen Geschäftsstraße aufgewertet wurde.
Bis vor kurzem gab es im 5. Stock des Kaufhaus Steffl (nicht zu verwechseln mit
dem Dom - auch der wird von den Wienern "Steffl" genannt) ein Mozart-Gedenkzimmer,
denn im Vorgängerhaus - das damals noch kein Kaufhaus war - befand sich sein
Sterbezimmer. Durch einen rigorosen Umbau hat der Steffl - das Kaufhaus - viel
von seiner Gemütlichkeit verloren. Früher war es auch für den Wiener
Normalbürger interessant, bei einem Kärntner-Straßen-Bummel dort
vorbeizuschauen und einzukaufen. Da gab es allerhand Spezialitäten: man führte
zB tatsächlich Duftstoffe-freie Seife!
Unter den neuen Besitzern ist alles anders geworden. Durch die Anhebung der Preise
auf 1.-Bezirk-Niveau geht der Wiener nicht mehr hinein (außer er ist Fan
von sündteurer Markenware), was sich deutlich zeigt, denn die Etagen sind
menschenleer und die Kassiererinnen langweilen sich.
Und den Mozart haben sie aus seinem angestammten Zimmer ausgesiedelt und ihn mitsamt
seinen Noten und Erinnerungsstückerln ins letzte Eck (Parterre, ganz hinten
links) verbannt, wo man sein Andenken mit einer Ringmauer aus käuflich erwerbbarem
Mozart-Kitsch eingeziegelt hat.
Am zentralen Ende der Kärntner Straße steht der Stephansdom,
ungefähr in ihrer Mitte befindet sich die Malteserkirche,
am Ring thront die Oper.
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