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Wie
so oft in Wien halten Provisorien länger als permanent Geplantes, so war
es auch beim Meiselmarkt, der 1905 lediglich vorübergehend existieren sollte.
Bereits 1913 wurde er auf das Doppelte erweitert und asphaltiert, eine Maßnahme,
die ihn amtlich sanktionierte.
Er war eng mit dem Rudolfsheimer Zentralmarkt für Holz, Hafer und Stroh zwischen
der Avediktstraße und der Zollernsperggasse verknüpft. Als dieser kurz
vor dem Ersten Weltkrieg wegen dem Bau des Technischen Museums abgesiedelt werden
mußte, verlegte man ihn zum Lebensmittelmarkt in der Meiselstraße.
Ich
erinnere mich noch gut an den Bauernmarkt mit seinen ungefähr 65 mobilen
Ständen und dem bunten Treiben, sowie den 86 festen Ständen. Da bekam
die Hausfrau alles, was sie brauchte.
Bekommt sie heute auch - aber das Bild hat sich schwer gewandelt. Nach zwei Brandstiftungen
im Sommer 1995 wurden die alten Stände im September 1995 abgetragen und an
ihrer Stelle ein Einkaufszentrum mit Wohn- und Bürogebäuden errichtet,
in das auch das alte Wasserdepot integriert wurde. Der Markt selbst wurde ins
Geschoß unter dem Straßenniveau verbannt, die "Standler",
meist Türken, wurden zu Geschäftsleuten. Die ursprüngliche Marktidylle
mit ihren lautstarken, bunten Treiben ist der (zu) ruhigen Atmosphäre eines
nicht sonderlich überlaufenen Einkaufszentrums gewichen.
"Der
neue Meiselmarkt stellt ein wahrhaft originelles Projekt inmitten einer von Zögerlichkeit
und Phantasielosigkeit geprägten Architekturszene dar", kritisiert ihn
Bauer. Er hat sich nicht zu dem entwickelt, was man erhoffte. Lange Zeit standen
Geschäfte leer, die Vielfalt und Exklusivität des Warenangebotes läßt
heute noch - im Vergleich zu anderen derartigen Einkaufszentren - sehr zu wünschen
übrig. Er ist kein Ort, wo man stundenlang flanieren und in Angeboten stöbern
kann.
Für die Bewohner des 15. Bezirkes (mit einer der höchsten Ausländeranteile
Wiens) ist er jedoch sicher ein wichtiger Einkaufsort, um die Bedürfnisse
des täglichen Lebens zu decken.
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