-SEHENSWERT

Millennium Tower
2, Handelskai


Zuerst wußten die Wiener nichts rechtes damit anzufangen, als bekannt wurde, daß ein "Millennium-Tower" gebaut wird. Irgendwie ging er in den Meldungen der Medien unter, denn in jener Zeit, knapp vor dem Jahrtausendwechsel, bekam ja alles den Zusatz "Millennium".

Dann schoß er in den Himmel. Erstmals kam in Österreich das rationelle, kostensparende "Stahlbundverfahren" zum Einsatz. Statt drei Wochen für ein Geschoß wurde beim Millenium Tower lediglich eine Woche für zwei Stockwerke benötigt. 1999 war er fertig.

Heute ist er mit seinen 171 Metern (202 m incl. der Turmspitze) nicht nur ein neues Wahrzeichen in Wien, sondern auch ein weithin sichtbarer Orientierungspunkt.

Das Wiener Architektenteam Gustav Peichl, Boris Podrecca und Rudolf Weber ließen 18 Stahlsäulen eine vorgehängte Aluminium-Fassade tragen.

Interessant die Daten der 15.000 m² großen Verglasung. Die Einzelscheiben des dreiteiligen Verbundglases bestehen aus Floatglas mit einer Glasdicke von 34 mm. In gefährdeten Teilbereichen wurde zum Schutz vor Durchbruch die Außenscheibe durch Verbundsicherheitsglas ersetzt.

Bei so viel Glas liegt die Vermutung nahe, daß es im Winter in den Räumen saukalt ist, während im Sommer das Gebäude zum Backofen wird. Glas ist heute nicht mehr Glas, wie man es früher hatte. "ipasol platin 47/28" vom Glasveredler Interpane hieß die Lösung. Es handelt sich dabei um ein Sonnenschutzglas, das genügend natürliches Licht durchläßt (Lichtdurchlässigkeit z = 47 %), aber wenig Sonnenenergie (g = 28 %). Im Winter soll auch nicht übermäßig geheizt werden müssen, denn das Glas hat einen geringen Wärmedurchgangskoeffizienten (kv = 1,1 W/(m²K) - für all jene, die etwas damit anzufangen wissen).

33.300 m² Bürofläche bieten sich im 50geschoßigen Gebäude an. Dazu kam ein Kindergarten, ein Ärztezentrum sowie 425 Wohnungen und ein Einkaufszentrum. Damit ist der Milleniums Tower zur Zeit (Stand Ende 2000) das vierthöchste Gebäude Europas.