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Schönbrunn
Unzählige Bildbände
gibt es über dieses Areal; ein ausführliches Kapitel in jedem Reiseführer
über Wien; und es gibt Führungen. Deshalb findet ihr hier die Geschichte
des Bauwerks in aller Kürze. Wer Interesse an der Architektur oder an künstlerischen
Feinheiten hat, möge sich einen dieser dicken Schmöker zulegen, an der
virtuellen
Führung (Räumlichkeiten) oder einer im Schloß vor Ort teilnehmen.
Hier sollen die eher unbekannten kleinen Geschichten, G'schicht'ln und Kurioses
über das Bauwerk erzählt werden.
(Bau-)Geschichte
Ursprünglich
stand in Schönbrunn eine klosterneuburgische Mühle - die Kattermühle
am Katterberg. Der Wiener Bürger Ehrenreich Köppl ließ im
15. Jhdt. neben der Mühle ein Schlößchen - die Katterburg
- errichten. 1529 wurden die Gebäude durch die Türken verwüstet.
Wiederaufgebaut gelangten sie 1559 in den Besitz der Adelsfamile Mollard und 1569
in den von Maximilian II., der das Schloß zu einem Jagdschloß mit
Garten und Teichen umgestalten läßt.
1683 fielen wieder einmal die Türken in Wien ein und zerstörten
das damals zweistöckige Schloß. Kaiser Leopold I. ließ es für
seinen Sohn Joseph als Sommersitz neu erbauen. Der starb jedoch überraschend
1711 an den Blattern. Leopold bestellte 1692 bei Fischer von Erlach
ein neues Schloß. Das Bauvorhaben sollte Versailles in Prunk und
Glanz bei weitem übertreffen. Fischer von Erlachs Traum sollte auf der Anhöhe
erbaut werden, dort wo heute die Glorette steht:
Die nüchternen Habsburger
lehnten den Plan ab - nicht zuletzt wegen der hohen Kosten. Erlachs zweiter, weitaus
bescheidenerer Entwurf fand ihre Zustimmung. 1695 wurde mit dem Bau der Sparvariante
begonnen, der zügig voranschritt. 1705/06 legte Jean Trehet den Park an.
1713 waren auch die Seitenflügel des Schlosses vollendet.
Als Joseph I. starb, kam sein Bruder, Karl VI., aus Spanien zurück. Unter
ihm wurden anstelle der Dachloggia Steildächer errichtet, dann die Arbeiten
eingestellt. Ihm behagte Schönbrunn als Sommersitz nicht, lieber zog er in
die "Neue Favorita" (htg. Theresianum, 4. Bezirk, Favoritenstraße
15), später nach Klosterneuburg, wo er mit dem Bau der "Klosterresidenz"
nach dem Vorbild des spanischen Escorial beginnt.
Als sich seine Tochter Maria Theresia mit Franz Stephan von Lothringen 1736 vermählte,
zog er zwar in Erwägung, den "Kindern" Schönbrunn ausbauen
zu lassen, aber es kam nicht dazu.
1740 folgte Maria Theresia ihrem Vater auf den Thron. Sie entschloß
sich, einige Schlösser und Palais anzukaufen bzw. zu revitalisieren und ordnete
1743 den Ausbau Schönbrunns an. Nikolaus Pacassi, der Hofarchitekt
von Kaiserin Maria Theresia, verlieh dem Schloß 1744 - 1749 sein heutiges
Aussehen. Alljährlich übersiedelte der gesamte Hof mit seinen 2.000
Personen (Diener, Zofen, Gärtner, Handwerker, Berater und Beamte) von der
Hofburg ins Schloß Schönbrunn.
Interessant war, wie sich die Besucher dem Schloß genähert haben. Sie
durchfuhren mit der Kutsche das dreigeteilte Tor, das durch die beiden Pfeiler
der Obelisken untergliedert ist. Danach passierten sie die beiden Brunnen. Vor
dem Schloß befand sich eine mächtige, kreisförmige Treppenanlage,
in die auch ein Rundbassin integriert war. Über eine Rampe fuhr man hinauf,
dann hielt die Kutsche. Über zwei Treppenabsätze erreichte man das Hauptgeschoß,
wo man, war man wichtig genug, vom Kaiser begrüßt wurde.

Kaiserin Maria Theresia war
das zu kompliziert. Sie ließ die mächtige Treppenanlage abtragen und
durch eine geschwungene, zweiläufige Freitreppe ersetzen. Dadurch war es
möglich, im Untergeschoß eine Durchfahrt in den Park zu schaffen, wo
man auch bei Schlechtwetter ins Schloß kam, ohne naß zu werden. Maria
Theresia war eben eine praktisch denkende Frau!
Erst um 1752 erstrahlte das Schloß und die Pavillions in jenem Gelb, das
sich später als "Habsburgisches oder Schönbrunner-Gelb" über
die Monarchie ausbreiten wird. Vorher war es blau und rosa gestrichen.
Während sich die Kaiserin der Innenausstattung widmete, kümmerte sich
ihr Gemahl um die Gestaltung des Gartens.
1772,
sieben Jahre nach dem Tod von Franz, nahm Maria Theresia die Ausgestaltung
des Schönbrunner Berges in Angriff. Der Architekt Johann Ferdinand Hetzendorf
von Hohenberg entwarf das Projekt mit einem riesigen Bassin auf der Berghöhe,
das als Wasserreservior für die im Park geplanten Springbrunnen dienen und
in dessen Mitte ein Aussichtspavillion stehen sollte. Das "Große Parterre",
jener flache Teil zwischen Schloß und Anhöhe, sollte vier Brunnen erhalten
und mit Statuen ausgestaltet werden. Am Hang sollten Treppenanlagen mit vielen
Brunnen und Statuen angelegt werden.
1773 erhielt der Bildhauer Wilhelm Beyer den Auftrag, für das Große
Parterre 32 Statuen herzustellen. Im selben Jahr entstand der vordere Glorietteich,
der hintere wurde erst 1865 fertiggestellt.
1775 war die Gloriette vollendet.
1777 errichtete Hohenberg den Obelisken.
1778 stellte er die Römische Ruine fertig.
In dieser Bauphase stellte sich heraus, daß es für die vielen Brunnen
nicht genug Wasser gab. Deshalb wurden die 12 Brunnen am Berghang sowie die im
Großen Parterre wieder zugeschüttet. Dafür wurde die Fertigstellung
des großen Neptunbrunnens am Fuß des Hügels forciert.
Als
Kaiserin Maria Theresia starb, war Schloß, Park und Gloriette fertig. Bis
heute hat sich nichts Wesentliches daran verändert.
Am 10. November 1918 forderte Karl Renner die Abdankung des Kaisers, der zuerst
noch zögerte. Prälat Ignaz Seipl besorgte dann die Formulierung des
kaiserlichen Manifestes, welches jedoch eine ausdrückliche Abdankung vermeidet.
Im Blauen Salon des Schloss Schönbrunn unterzeichnete Kaiser Karl I. noch
im November seine Abdankungsurkunde. Nach der Unterschrift begab sich die kaiserliche
Familie in ihr Jagdschloß Eckartsau.
Obwohl Schönbrunn 1944/45 durch Bombeneinschläge arg beschädigt
wurde, ist die kostbare Inneneinrichtung fast unversehrt geblieben.