-SEHENSWERT |
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Der Garten
Die Gartenpflege im Park mit einer Fläche von 160 ha (= etwa die Größe
des Fürstentums Monaco) ist äußerst arbeitsintensiv. Das Wiener
Stadtgartenamt hat mehr Personen, die in Schönbrunn arbeiten, auf seiner
Gehaltsliste als das österreichische Außenamt mit sämtlichen Vertretungen
im Ausland.
Jede Rasenfläche hat einen eigenen Namen und diente einem eigenen Zweck.
1779 wurde der Park für die Bevölkerung geöffnet,
doch einige Teile blieben Privatzone der kaiserlichen Familie. Ich möchte
hier nicht auf jedes Fleckchen und dessen Gestaltung einzeln eingehen, sondern
nur auf jene, die von der üblichen Vorstellung, der Park wäre nur zum
Spazierengehen und für Feste benutzt worden, abweichen.
Die Privatzonen des Kaisers grenzten direkt an das Schloß und waren nicht
- wie man vermuten würde - "blickdicht" vom öffentlichen Bereich
abgeschirmt. Es gab halbhohe Gartentüren, über die ein neugieriger Spaziergänger
auch einen Blick riskieren durfte. Wenn er Glück hatte, entdeckte er die
spielenden Kaiserkinder. Der Hintergedanke dieser zur-Schau-Stellung des Privatlebens
der kaiserlichen Familie war, daß auf diese Art dem Volk gezeigt wurde,
daß es den Hoheiten gut ging und man so unnötigen Gerüchten vorbeugte.
In den Hietzinger Kammergärten (bis 1918 zum Privatgebiet gehörend)
gab es den Reitschulgarten. Um 1855 wurde dort eine Reitbahn angelegt,
die 1920 aufgelassen wurde. Gleich daneben im runden Kastaniensaal stand
ein Karussell.
Sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder der Kaiserfamilie betreuten eigenhändig
Gemüsebeete.
Ab
1930/40 wurde die Meidlinger Vertiefung, die linker Hand nahe dem Schloß
liegt, als Spiel-, Turn- und Exerzierplatz von den Kindern der kaiserlichen Familie
benutzt. Die dort stehenden Brunnen wurden entfernt, um für die Turngeräte
Platz zu schaffen.
"Maxi" (später Kaiser Maximilian von Mexico) schwärmte bereits
als kleiner Bub von fremden Ländern. Zu seinem 8. Geburtstag baute ihm der
Gärtner eine exotische Strohütte, umgeben von Gebüsch und Lianen.
Ein angeketteter Papagei, eine hölzerne rote Kröte und ein paar
Eichhörnchen bevölkerten das Szenario. Dazu gab es noch einige Schilder,
Speere und Federschmuck. Die kaiserlichen Hoheiten spielten also genauso "Indianer"
wie die Kinder von Handwerkern oder Dienstboten.
Manchmal
spielten sie auch "Ritter". Sie hatten Strohpuppen mit Türkenköfpen,
an denen sie auf ihren Pferden vorbeiritten, um ihnen mit ihren Säbeln die
Köpfe abzuschlagen. Die Kinder besaßen auch eine kleine Kanone, mit
der sie die Bastion an der Ostseite, die um 1950 entfernt wurde, beschossen.
Unter diesen Aspekten betrachtet, verändert sich das Bild, wo nur Damen in
langen Kleidern mit Reifröcken und hohen Frisuren, ev. in Begleitung eines
Kavaliers, steif die Gärten durchschreiten. Da war Leben, da wurde gekegelt,
geritten, gespielt. Man hörte Kinder lärmen und hie und da einen Kanonenschuß.
1927 endete das lustige Treiben in der "Meidlinger Vertiefung". Der
Gartenpavillion wurde verpachtet und zu einem Kaffeehaus umgestaltet.
Der
Neptunbrunnen
schließt das Große Parterre zum Schönbrunner Berg hin ab. Viel
hatte Maria Theresia nicht mehr von ihm, denn er wurde im Jahr 1780 - ihrem Todesjahr
- vollendet. Wieder haben hier Hohenberg (Gesamtentwurf) und Beyer (Skulpturen)
zusammengearbeitet.
In
der Felslandschaft hat sich Meeresgott Neptun mit seinem Gefolge niedergelassen.
Neptun, in dessen Macht es steht, die Meereswogen aufzuwühlen oder zu beruhigen,
steht als Gleichnis für den Herrscher, der die Geschicke eines Landes zu
lenken weiß. Um ihn herum finden sich seine Untertanen: eine Nymphe mit
ihrem Füllhorn zu seiner Linken, die die Fruchtbarkeit des Landes symbolisiert,
die dem Wasser zu verdanken ist. Rechts von ihm kniet die Meeresgöttin Thetis,
die ihn ersucht, die Winde zu beruhigen, um die Seefahrt nicht zu gefährden.
Zu seinen Füßen tummeln sich die Tritonen - halb Mensch, halb Fisch
- die mit ihren Muscheltrompeten allen einen heftigen Schreck einjagen können.
Sie lenken die Hippokampen (Meerespferde), die Neptuns Wagen ziehen.
Gloriette
Den optischen Abschluß des Parks bildet die Gloriette; etwas ähnliches
scheint bereits im zweiten Entwurf Fischer von Erlachs auf. In ihrem Mittelteil
findet sich die Inschrift: JOSEPHO II. AVGVSTO ET MARIA THERESIA IMPERANTIB. MDCCLXXV.
(Unter der Regierung von Kaiser Joseph und Kaiserin Maria Theresia errichtet 1775).
Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg verarbeitete hier die Doppelsäulen, die
reliefierten Gebälkstücke und die Arkadenbögen - alles Stücke
aus dem Schloß Neugebäude in Simmering - zu einem klassizistischen
Ehrentempel mit einer luftigen Arkadenreihe.
Oben
Thront der von Benedict Henrici geschaffene Reichsadler auf der Weltkugel, umgeben
von Waffentrophäen, die sich auch an den seitlichen Treppenanlagen (ein Werk
von J. B. Hagenauer) wiederfinden. Die antik-römischen Rüstungen, Schilde
und Feldzeichen sollen einmal mehr an die Verbindung der Habsburger zum römischen
Kaisertum erinnern.
Die
Gloriette ist ein Denkmal für den "gerechten Krieg", der nicht
sinnlos, sondern zur Herstellung des Gleichgewichts und zur Festigung der wiedererlangten
Ordnung geführt wurde. Die abgelegten Waffen zeigen, daß der Krieg
beendet ist und die Posaunen über den Arkaden verkünden den Sieg. (Sogar
der Schafsbock, der eigentlich unter der Last der tonnenschweren Waffen gequält
dreinschauen müßte, grinst zufrieden!)
Das
Bauwerk vermittelt Frieden - und zum friedlichen Verweilen ist es auch gedacht.
1780 erhielt die Gloriette Glasfenster, denn oben am Hügel weht immer Wind.
Man entfernte sie erst 1926. Weiters baute man 1776 eine Brücke über
die Grünbergstraße am östlichen Rand des Parks, damit die 60jährige
Maria Theresia, inzwischen nicht mehr so beweglich, mit der Kutsche zufahren konnte.
Hohenberg baute ihr auch einen Personenaufzug, der bis 1870 noch in Betrieb war
und von den Parkbesuchern benutzt wurde.
Um den kaiserlichen Hunger zu stillen, errichtete man um 1780 westlich der Gloriette
im Wald ein kleines Küchenhaus, das 1925 abgerissen wurde.
1945 wurde der Ostflügel der Gloriette durch Bomben zerstört, 1947 -
1950 wiederhergestellt.
1994/95 renovierte man sie, verglaste den Mittelteil und richtete in ihr ein Kaffeehaus
ein.