|
Heute
betritt man den Stephansdom durch das Haupttor, das früher nur zu hohen Anlässen
für die Oberschicht von Wien geöffnet war. Wie die beiden Heidentürme
an seinen Seiten gehört es noch zum alten, spätromanischen Kirchenbau,
der erstmals 1295 erwähnt wird.
Im linken Teil des dreischiffigen Hallenraums liegt die Tirna-Kapelle mit der
Gruft Prinz Eugens. Hier findet man auch Meister Pilgram, der sich am Orgelfuß
selbst mit Zirkel und Winkel in der Hand abgebildet hat.
Im Mittelschiff befindet sich die schöne Kanzel, von Anton Pilgram als Meisterwerk
spätgotischer Bildhauerei geschaffen. Als "Fenstergucker" hat er
sich hier selbst verewigt.
Mit
dem Bau des Nordturms (Adlerturm) wurde 1450 begonnen. Er blieb unvollendet und
wurde mit einer von einem Adler gekrönten Kuppel abgeschlossen. Zwar erzählt
die Sage ("Meister Hans Puchsbaum")
es anders, Tatsache ist, daß über 100 Jahre an dem Dom gebaut wurde,
die Gotik aus der Mode gekommen war und der Bau eingestellt wurde.
Mit einem Aufzug kann man zur Pummerin hinauffahren, die - so glauben die Menschen
- zu wichtigen Anlässen, wie dem Jahreswechsel, geläutet wird. Sie soll
aber geschont werden, und so übernimmt ihre Arbeit eine etwas kleinere Glocke.
Über 20 t schwer, wurde sie aus dem Metall erbeuteter türkischer Kanonen
gegossen, stürzte aber 1945 beim Brand des Doms ab und zerschellte.
Erst 1699 versah der Magistrat den Turm mit einer Uhr, die nur die vollen Stunden
schlug. Die ersten drei Viertel mußten weiterhin vom Turmwächter mittels
eines Drahtes an das Primglöckchen geschlagen werden und damit beweisen,
daß er anwesend war und nicht schlief.
Im linken Seitenchor steht neben dem leeren Stiftergrabmal für Rudolf IV.
der prachtvolle gotische "Wiener Neustädter Altar" (1447).
Der
Hochaltar (1640 - 1660) aus schwarzem Marmor stammt von den Brüdern Tobias
und Johann Jakob Pock.
In seiner Nähe steht rechts an einem Pfeiler die "Dienstbotenmadonna"
(1325) auf einem kleinen Sockel vor der Orgel.
Der Südchor wird von dem prunkvollen Marmorsarg Friedrichs III. beherrscht,
versehen mit dessen Leitmotiv "AEIOU".
In der Nähe des Ausgangs befindet sich ein Altar, vor dem stets Menschen
beten und zahllose Kerzen brennen. Das "Gnadenbild Maria Pötsch"
ist eine 1697 gefertigte Ikone aus dem ungarischen Pöcs, die seit der Schlacht
bei Zenta (1697) hochverehrt wird. Während der entscheidenden Schlacht im
Türkenkrieg sollen der Jungfrau zwei Wochen lang die Tränen aus den
Augen geflossen sein.
Unter dem Stephansdom liegen die Katakomben. Als 1713 die Pest in Wien
wütete, waren alle Friedhöfe überbelegt. Ca. 11.000 Tote warf man
in die Schächte, die, sobald gefüllt, zugemauert wurden. Später
haben Sträflinge und Mönche die Gebeine geschlichtet.
Den Mittelpunkt bildet die Herzogsgruft, die Rudolf IV. für die Habsburger
anlegen ließ.
Links vom Eingang sind zwei Metallstäbe eingemauert und ein Kreis in den
Stein gekratzt. Das waren anno dazumal die rechtsgültigen Maße für
die kleine und die große Elle sowie für den Brotlaib. Wer sich betrogen
fühlte, konnte zum Stephansdom gehen und dort die erstandene Ware nachmessen.

Rechts neben dem Haupttor findet man das Kürzel O5 in den Stein gekratzt.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war das das Zeichen einer Widerstandsgruppe
gegen Hitler. 5 steht für den fünften Buchstaben im Alphabet und dazu
noch das O = OE, also Ö wie Österreich.
Über diesem Symbol sowie an der gesamten Außenseite des Doms hat man
die Grabsteine des alten Friedhofs montiert.
Weitere Sagen um St. Stephan:
Der
Kegler vom Stephansturm
Die Linde bei St. Stephan
Die Totenmesse im Stephansdom
Weitere Infos:
Domkirche
St. Stephan
|