-KAFFEEHAUS

Das Wiener Kaffeehaus

ist nicht den "Café's" anderer Städte und Länder gleichzusetzen. Es ist ein Ort der Ruhe, wo man in- und ausländische Zeitungen bekommen kann, beim Billard-, Schach- und Kartenspiel Zerstreuung sucht oder in gedämpftem Ton das aktuelle Politik- und Kulturgeschehen diskutiert. Früher wie heute hat man das Recht, bei nur einem Getränk beliebig lange sitzen zu bleiben. Das Glas Wasser, das zum Kaffee serviert wird, erneuert der Ober ungebeten und gibt so dem Gast die Möglichkeit, Bestellungen oder Zahlwünsche bekanntzugeben, ohne quer durch das Lokal rufen zu müssen.

Kaffeehäuser gibt es seit mehr als 300 Jahren in Wien. Nach der zweiten Türkenbelagerung, so erzählt die Sage, hätten die Türken Säcke voll mit grünen Bohnen zurückgelassen. Kolschitzky, ein polnischer Spion, hätte sich ihrer angenommen und damit das erste Kaffeehaus eröffnet.

Stimmt gar nicht! Denn nachgewiesenermaßen war der erste Wiener Cafetier ein armenischer Kaufmann namens Deodato, der 1685 das erste Kaffeeschankprivileg erhielt.

Nun eine Erklärung der gängisten Arten der großen Palette der Wiener Kaffeesorten:


Brauner oder
Gold (groß oder klein)
Schwarzer Kaffee, der durch Zugabe von Obers eine goldbraune Farbe erhält.
Capuccino Espresso mit schaumiger, heißer Milch, Schlagobers und Schokostreusel.
Einspänner Schwarzer im Glas mit Schlagobershaube.
Fiaker Mocca mit Rum oder Obstler sowie mit Schlagobers, im Glas serviert.
Franziskaner Kleiner Mocca mit viel Milch, Schlagobers und Schokostreusel.
Häferl- oder Hauskaffee Sehr heller Kaffee mit ganz viel Milch im hohen Heferl.
Irish Coffee Schwarzer Kaffee mit irischem Whisky und Zucker aufgekocht, mit Schlagobers.
Kaffee verkehrt Mehr Milch als Kaffee (Milchkaffee).
Kaisermelange Schwarzer mit Eidotter.
Kapuziner Eine kleine Schale schwarzen Kaffees mit einem Tropfen Obers, mit Kakao oder geriebener Schokolade bestreut.
Konsul Schwarzer mit einem kleinen Schuß Obers.
Maria Theresia Moccavariation mit einem Schuß Orangenlikör
Melange Milchkaffee in der Schale oder im Glas, auch mit Schlagobers.
Piccolo Kleiner Schwarzer in Piccoloschale mit oder ohne Schlagobers.
Schwarzer oder
Mocca (groß oder klein)
Eine Schale schwarzer Kaffee, auch nach Wunsch mit etwas mehr heißem Wasser "verlängert".
Türkischer Kaffee Fein gemahlener, stark gebrannter Kaffee, aufgekocht und mit Sud serviert.

Die Kellnerprüfung


PRÜFER: Geschätztes Auditorium, hochverehrte Zuträger und Zuträgerinnen, einschließlich Pikkolo, Sitzkassierin und Gebäck! Delegiert vom Gewerbeförderungsinstitut, ist es meine Aufgabe, Ihnen in schwerer Zeit, bevor daß Sie in alle Winde hinausschnellen, Ihnen also ein letztes Mal einzuschärfen, welche Kulturmission unser heimisches echtwiener Kaffeehaus in der Welt zu erfüllen hat, vermag und auch kann. (...) Bevor daß Sie also hinausschnellen, werde ich mir erlauben, Sie einer kleinen Prüfung zu unterziehen, ob Sie auch imstande sind, Ihren Stand voll und ganz auszufüllen. Karl Domeier, komm außer.

KARL (tritt vor): Der Herr gewunschen, bitte -?

PRÜFER: Der Tonfall war net schlecht, a bisserl rescher könnt er noch sein. Also, Sie Karl, sagen Sie mir: was ist ein "Kapuziner, mehr licht mit Schlag"?

KARL (sehr rasch): Ein "Kapuziner, mehr licht mit Schlag" ist beinahe daselbe wie eine "Schale Nußgold mit Haut", nur eben natürlich mit "Schlag" statt mit "Haut" und um eine Idee mehr dunkel.

PRÜFER: Sehr brav, setzen. Josef Hundsgruber. Was ist eine "Teeschale"?

JOSEF: Eine Schale Tee.

PRÜFER: Ganz falsch. (...) Eine Schand für einen werdenden Zuträger, so was nicht wissen! Eine Teeschale im Kaffeehaus ist nichts als eine Maßeinheit. Eine "Teeschale, mehr licht" zum Beispiel, das ist eine "Kaffeeschale Lauf", also ein laufender normaler Kaffee. Denn a wirklicher Tee ist nie eine "Teeschale", sondern immer eine "Portion". Und die "Portionen" zerfallen in - (deutet auf Franz) - na, sagen S' es!?

FRANZ: Die "Portionen Tee" zerfallen in: "mit Rum", "mit Milch", "mit Zitrone" und "mit ohne", ich bitte.

PRÜFER: Brav. Kennen S' vielleicht auch die verschiedenen Arten "Melange"? Obwohl, das ist eigentlich schon mehr Hochschulstoff und dürfte Ihnen demnach zu schwer sein?

FRANZ: Man unterscheidet achterlei Arten "Melange". Die häufigst vorkommende ist die "mit Schlag". Es gibt aber auch hier "mit ohne", ferner "passiert" oder "mit Haut", dann "mit Haut und mit Schlag", "mit Haut und ohne Schlag", "ohne Haut mit Schlag", und schließlich "ohne Haut und ohne Schlag".

PRÜFER: Danke, ich seh schon, Sie verdienen Auszeichnung. Josef, für Sie noch eine Frage, weil S' früher versagt haben. Was is alsdann "einmal Natur"?

JOSEF (stotternd): Einmal Natur ..., einmal Natur ...

PRÜFER: Was? Das wissen S' auch nicht? (...) Passen S' auf: Ein "Schwarzer" is manches Mal ein "Türkischer" und manches Mal ein "Mokka" --

JOSEF (unterbrechend): Bitt schön i waß schon: Der letztere nämlich, der "Türkische", is teils "passiert", dann is er "natur" oder "gewöhnlich", dann is er "gewöhnlich". Auch da gibt's wieder "Nuß- oder Teeschale", man kann zur passierten "Nußschale" ein "Schlag" oder zum "Doppelmokka, natur" gar nix nehmen, oder umgekehrt --

PRÜFER (unterbrechend): Sehr richtig, das laßt sich permutieren. Was ein "Kapo, sehr hell", eine "Melange, sehr heiß", ein "Doppelmokka, gespritzt" ist, geht demnach eindeutig aus dem Obengesagten hervor. So und jetzt hätt ma noch den Schurl. Komm außer, Pikkolo! (...) Paß auf: wann ein Herr bestellt: "Einmal Sahne!" Was denkst du da sofort?

SCHURL: Daß der Herr a Preuß is, Herr Professor. Eine "Sahne" ist nämlich in Wahrheit immer ein "Schlag", äußerstenfalls ein "Obers".

PRÜFER: Sehr gut. (...) Jetzt noch eine Abschlußfrage, bevor ich Sie alle für reif erkläre für den Dienst am Kunden. Stellts euch einmal alle vor, ein Gast ruft: "Zahlen!" Was machts ihr da? (Alle zeigen auf.) Na, Franz?

FRANZ: I geh sofort hin und kassier ein.

PRÜFER: Ganz falsch. Ihnen muß ma umschulen auf ein Gaskassier. -- Pepi?

JOSEF: Ich schau, ob der Gast zu meinem Rayon gehört.

PRÜFER: Schon besser.

SCHURL (ratschend): Hört's der Pikkolo, kümmert er sich net drum. Kümmert er sich aber ja drum, sagt er's dem ersten Zuträger, der sagt's dem zweiten. Wann der Gast Glück hat, geht das jetzt so weiter bis zum Marqueur, der was bekanntlich der Ober ist. Wann aber der Gast ka Glück hat --

PRÜFER: Karl, fahren Sie fort!

KARL: Wan daß der Gast kein Glück hat, fangt er halt wieder von vorn an mit sein tepperten "Zahlen!"

PRÜFER: Jetzt aber Annahme, bitte: Annahme -- in der Praxis kommt's ja eh nie vor! -- daß es gleich beim ersten Mal der Marqueur hört, was is dann?

KARL: Dann derf der Ober nie sofort hingehen. Sofort hingehen ist absolut unfein, das schauert ja aus, als ob ma in Sankt Pölten ausglernt hätt und net beim "Sacher". Besser Fliegen fangen oder jede andere Arbeit, nur net hingehn!

PRÜFER: Sehr richtig! Besser Fliegen fangen oder jede andere Arbeit, nur net hingehn! Mit dieser Lebensregel wollen wir unsere heutige Gewerbeförderung beschließen. Alle ohne Ausnahme sind mit Auszeichnung für reif erklärt, österreichische Volksbräuche in alle Winde zu tragen. (...)

Rudolf Weys, in: Wien von A - Z, Wiener Verlag 1953

 

 

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