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Noch zu Lebzeiten des Ordensgründers,
dem hl. Dominikus, kamen die Dominikaner - auch Predigerbrüder genannt -
durch Leopold VI. 1226 nach Wien, wo sie sich nach den Jesuiten bald zum einflußreichsten
Orden entwickelten. Sie errichteten in der Nähe des Stubentores eine kleine
romanische Kirche, die 1237 geweiht wurde. Da auch sie nicht vor den Stadtbränden
verschont blieb, wurde sie 1283 - 1302 durch eine größere gotische
ersetzt, die jedoch aufgrund ihrer exponierten Lage an der Ringmauer während
der ersten Türkenbelagerung 1529 zerstört wurde.
Aber
nicht nur die Türken waren Schuld, auch jene Herren, die veranlaßten,
daß die Kirche zum Großteil abgerissen wurde, um ihre Steine für
die Befestigung der Stadtmauern zu verwenden.
1630 - 1634 entstand der Rohbau der heutigen Kreuzkuppelkirche, anläßlich
eines Gelübtes des späteren Kaiser Ferdinand III. bei seiner Vermählung.
Da die Befestigungsanlagen Wiens in dieser Zeit verstärkt wurden, mußte
der Chor und teilweise auch das Langhaus abgetragen werden. Kuppel und Fassade
wurden erst 1666 - 1674 gebaut.
Vor dem Bau der Karlskirche war die Dominikanerkirche nach dem Stephansdom die
zweitgrößte Kirche Wiens. Sie ist der hl. Maria vom Rosenkranz geweiht.
Dieses Thema findet sich auch in der Ausgestaltung der Kirche wieder, denn in
der Barockzeit waren Rosenkranz und Marienverehrung die verbreitetsten Frömmigkeitsformen.
Nachdem die Bastei demoliert war, stand die Kirche nach Osten frei. Die neue Schauseite
erhielt zwei niedrige Türme mit Barockhelmen. 1851 wurde der Kirchenplatz
in der Postgasse umgebaut und sein Terrain abgesenkt. So kam die Dominikanerkirche
auf der turmlosen Seite zu ihrer Freitreppe, wodurch jedoch die Breitenwirkung
des Gotteshauses verlorenging.
Über
dem Portalgiebel thront die Rosenkranzkönigin; auf den Segmentgiebeln knien
die hl. Katharina von Siena (man erkennt sie an der Dornenkrone und den Stigmatisierungsnarben),
sowie die hl. Agnes. Die Eckrisaliten schmücken die Statuen des hl. Albertus
Magnus (links) und des hl. Thomas von Aquin, die beiden bedeutendsten Gelehrten
des Dominikanerordens. Die Originalskulpturen der beiden Herren befinden sich
allerdings im Gärtchen hinter dem Chor.
Der Stuck im Innenraum der Kirche wurden von verschiedenen, nicht bekannten italienischen
Stukkateuren im letzten Drittel des 17. Jhdts. geschaffen. An den Fresken arbeiteten
Matthias Rauchmiller und Carpoforo Tencala. Das Kuppelfresko entstand erst 1836.
Den Kuppelraum des Hochaltarraumes beherrscht eine Flachkuppel, die anstelle einer
geplanten Tambourkuppel eingezogen wurde.
Der
heutige Hochaltar ist ein Werk von Karl Rösner (1839/40). Das Altarbild von
Leopold Kupelwieser zeigt die Einsetzung und Feier des Rosenkranzfestes durch
Papst Gregor XIII.: dem knieenden hl. Dominikus wird - stellvertrend für
den Orden - das Rosenkranzgebet anvertraut. Die Marienstatue ist eine Nachbildung
derjenigen von 1671.
Vor dem Altarraum finden sich auch die überlebensgroßen Statuen der
lateinischen Kirchenlehrer Hieronymus, Gregor der Große, Augustinus und
Ambrosius. (Ob sich dieser im Bild durch den Blitz gestört gefühlt hat,
daß er so abweisend die Hand hebt?)
An den Pfeilern zum Hochaltarraum links steht die Statue des hl. Dominikus mit
einem kleinen Hund, der eine Fackel im Maul trägt. Der Künstler spielt
auf eine Vision der Mutter des Ordensstifters an, die vor dessen Geburt ihr Kind
als schwarzweißes Hündchen sah, welches "die ganze Welt in Brand
setzt und so die Glut der Liebe zu Gott neu entfacht". Mit der Ordenstracht
(langes, weißes, gegürtetes Gewand und schwarzer Kapuzenmantel) vereint
sich das Bild mit der wörtlichen Auslegung "Domini canes", die
Wachhunde des Herrn.
Das
Orgelgehäuse war ursprünglich zweiteilig mit einem Brüstungspositiv.
Als 1896 die alte Orgel durch eine der Firma Rieger (Jägerndorf/Schlesien)
ersetzt wurde, mußte wegen der Größe das Verbindungsstück
unter dem Westfenster gebaut werden. Die Orgel, 1990 renoviert, ist dem Typ "Romantische
Orgel" zuzuordnen und die letzte ihrer Art in Wien.
Durch den Stuck, der sich über die Pfeiler bis fast zum Boden hinunterzieht,
erhält die Kirche ein freundliches, fröhliches Flair. Der dunkle, außerhalb
der Messzeiten nicht beleutete Altar bildet dazu in seiner Geradlinigkeit einen
auffälligen Gegensatz. Hübsch gemacht sind auch die Bilder des Kreuzweges,
Halbreliefs in Marmor gehalten.
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