-KIRCHEN

Malteserkirche
(auch: Johanniterkirche)
1, Kärntner Str. 37

Malteserkirche. Foto: TjakyHerzog Leopold VI. berief zu Beginn des 13. Jhdts. die Johanniter (spätere Malteser) nach Wien, deren erste Aufgabe in der Krankenpflege bestand, später auch in der Verteidigung des Glaubens und des hl. Landes. Bald nach dem Stadtbrand von 1258 erbauten sie um 1265 eine dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Kapelle, an deren Stelle um 1340 eine gotische Kirche trat. Der alte Teil der Kirche ist jedoch nur äußerlich vom Hof des Hauses Johannesgasse 2 erkennbar, von wo man den gotischen Chor sieht.

1806 - 1808 wurde das Gotteshaus gründlich renoviert, wobei es die heutige schmale Empirefassade erhielt, mit korinthischen Pilastern, Tympanon, Attika und einem Glockentürmchen. Oberhalb des Haupteinganges befindet sich eine Bauinschrift: "Aedes vetustate squalens / sacra Joanni Baptistae / ordinis hierosoly mitanae coelesti patrono / erecta et ornata Anno MDCCCVIII". (Wer kann es übersetzen?)

Malteserkirche, Innenraum. Foto: TjakyErst, wenn man das Gotteshaus betritt, erkennt man sein wahres Alter. Zwar findet man heute nichts mehr von der spätgotischen Einrichtung, doch der einschiffige, dreijochige Kirchenraum mit Kreuzrippengewölben und Fünfachtelchorschluß hat seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt.

Der klassizistische Hochaltar ist mit den Statuen der Apostel Paulus und Petrus sowie der barocken Kopie der Mariazeller Gnadenstatue geschmückt.

Ein bemerkenswertes Werk der Empirezeit ist das Marmordenkmal, welches Jean de La Valette-Paresot darstellt und von zwei gefesselten Türken flankiert wird. 1557 - 1568 war er Großmeister des Johanniterordens und verteidigte die Insel Malta, die der Orden 1530 von Kaiser Karl V. gegen eine formale Jahresabgabe in Form eines Falken als Lehen erhalten hatten, gegen die Türken. Seither wurden die Johanniter Malteser genannt.

Malteserkirche, Blick zum Ausgang. Foto: TjakyDer Statue gegenüber hängt ein kleines Kruzifix mit kunstvoller Unterlage, welches der abgedankte Kaiser Ferdinand I. und seine Gattin Marianna 1857 der Kirche gespendet haben.

An den Seitenwänden und der maßwerkgeschmückten Orgelempore findet man die zahlreichen Wappenschilde der Komture der Wiener Kommende angebracht. Der bunt gefaßte Schlußstein unter der Orgelempore zeigt einen Löwen, der mit seinem Gebrüll seine Jungen zum Leben erweckt - ein mittelalterliches Symbol für den Erlöser Jesus Christus.

Malteserkirche, Orgel. Foto: TjakyZuerst ist man überrascht, wie klein die Kirche ist. Das ist nach der hohen Außenfassade nämlich nicht zu erwarten. Hier geht alles recht schlicht, geradlinig und unverschnörkselt zu. Das "Logo" der Malteser, das Malteserkreuz, ist überall zu finden. Und wenn man Glück hat, kann man die Malteser auch singen hören.

Seit 1824 hat der "Souveräne Malteser-Ritter-Orden" seinen Sitz in Rom. Der Orden ist Souverän nach Völkerrecht, unterhält diplomatische Beziehungen zu ca. 40 Staaten und betreibt hetue noch viele Einrichtungen in der Kranken- und Sozialpflege, sowohl in Europa als auch in Entwicklungsländern.


Die Symbolik des Malteser Kreuzes

Das charakteristische achtspitzige Kreuz der Maltester kann wie folgt interpretiert werden:
Die vier Balken des Kreuzes erinnern, wie bei allen anderen Kreuzen, an die vier Kardinaltugenden Weisheit, Gerechtigkeit, Stärke und Demut.
Die acht Spitzen gemahnen nach Absicht des 1. Ordensmeisters Bruder Gerhard an die acht Seligkeiten - selig sind die Armen im Geiste, die Sanftmütigen, die Trauernden, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit, die Barmherzigen, die ein reines Herz haben, die Friedsamen, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen -, und an das achtfache Elend der Welt: Krankheit, Hunger, Unglaube, Heimatlosigkeit, Verlassenheit, Gleichgültigkeit, Lieblosigkeit, Verzweiflung.
Daraus ergeben sich wohl auch die acht Verpflichtungen der Ritter: der Wahrheit leben, den Glauben haben, seine Fehler bereuen, demütig sein, die Gerechtigkeit lieben, barmherzig sein, aufrichtig und reinen Herzens sein, Verfolgung auf sich nehmen.

Links vom Hochaltar. Foto: Tjaky     Rechts vom Hochaltar. Foto: Tjaky