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Auch sie beansprucht, zu den ältesten
Kirchen Wiens zu gehören. Sie trug ursprünglich den Namen "Unsere
Liebe Frau auf der Gstetten", woraus sich ergibt, daß die Kirche außerhalb
des verbauten Gebietes errichtet wurde. Um 880 soll an ihrer Stelle ein von Donauschiffern
gebautes, hölzernes Kirchlein gestanden haben. Urkundlich erwähnt wurde
sie erstmals im Jahr 1200, wo sie bald nach der Gründung der Schottenkirche
den iro-schottischen Mönchen übereignet wurde. Die ursprünglichen
Gründer, die Passauer Bischöfe, übernahmen ab 1302 wieder ihre
Rechte an ihr.
1391 tauschten die Mönche die Kirche. So kam sie in den Besitz von Freiherr
Hans von Lichtenstein-Nikolsburg, der den Neubau der Kirche veranlaßte.
Die beschränkten Platzverhältnisse sowie der exponierte Steilabhang
zur Donau bewirkte, daß das Langhaus schmäler als der Chor wurde und
einen leichten Achsenknick aufweist. Sehr beeindruckend ist die überschlanke,
33 m hohe, aber kaum 10 m breite gotische Westfassade. Mit seinen 56 m Höhe
war der Turm, der sich auf deinem siebeneckigen Grundriß erhebt, für
die Donauschiffer ein weithin sichtbarer Orientierungspunkt, speziell durch seinen
weißen, kuppelartig gestalteten, mit zarter Maßwerksarbeit durchbrochenen
Steinhelm (1394 - 1414). Die Zahl 7 weist auf die sieben Schmerzen Marias hin.
Im
Bereich des Chores wirkte Michael Knab, während den übrigen Bau der
damalige Leiter der Wiener Dombauhütte, Peter Prachatitz über hatte.
Über dem Eingang füllt ein
gewaltiges Spitzbogen-Fenster fast die gesamte Wand, wodurch die Fassade wie ein
großes hochgezogenes Portal wirkt. Dort befindet sich auch die reliefartige
Darstellung der beiden Johannes (um 1410). Beim Portal des Chores sollte man die
Steinreliefs beachten: eine Schutzmantelmadonna und die Krönung Marias.
Im Inneren wirkt das Schiff eher düster,
der Chor jedoch heller. Die Innenausstattung stammt überwiegend aus dem 19.
Jhdt., doch einige Dinge sind älter: die Orgelempore (1515), der Renaissance-Altar
in der Perger-Kapelle (um 1520), die Bauinschrift am Triumphbogen "1414"
sowie vier Kirchenfenster im Chor, die aus alten Fenstern des 14. und 15. Jhdts.
zusammengesetzt wurden. Sie sind so schön, daß einige von ihnen aus
Laxenburg "repatriiert" werden mußten, wohin sie Kaiser Franz
I. entführt hatte, um sein geliebtes Schloß damit zu verschönern.
Der Steilhang machte es erforderlich, eine breite Freitreppe zum Tiefen Graben
hinunter zu bauen, die der Kirche den volkstümlichen Namen "Maria Stiegen"
einbrachte.
1409 kam das Gotteshaus abermals zurück an das Bistum Passau. 1469 wurde
das Wiener Bistum gegründet, doch "Maria am Gestade" blieb darin
eine Enklave. Bis zu dieser Zeit war sie eine Kirche der Schiffer.
1786 wurde sie entweiht, geschlossen und verfiel zusehends. Stark vom Abriß
bedroht war sie unter Joseph II., der an ihrer Stelle lieber das Versatzamt gesehen
hätte. Die Demolierung wäre jedoch zu teuer gekommen, also ließ
der Magistrat das vernachlässigte Objekt stehen.
Während der napoleonischen Kriege diente die Kirche als Pferdestall und Militärmagazin.
1812 wurde sie restauriert und neu geweiht.
1920 gelangte sie in den Besitz des Redemptoristenordens. Clemens Maria Hofbauer
engagierte sich dafür, diesen Orden außerhalb Italiens zu verbreiten.
Als er gestorben war, wurde sein Seligsprechungsprozeß eingeleitet und gleichzeitig
seine Gebeine in die Kirche "Maria am Gestade" überführt.
Dort setzte man sie in einem Reliqueinschrein bei. 1987 fertigte der Bildhauer
Oskar Höfinger einen Reliquienaltar aus Kärntner Marmor an, neben dem
nun aufrecht die Grabplatte steht, die vorher auf Hofbauers Grab in Maria Enzersdorf
gelegen ist. 1909 wurde Hofbauer heilig gesprochen. Seit 1914 ist er Stadtpatron
von Wien.
Leider darf die Kirche - wenn überhaupt - meist nur bis zu einem Abschlußgitter
betreten werden, wodurch viele Objekte schwer zu erkennen sind.
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