-KIRCHEN

Minoritenkirche
"Italienische Nationalkirche Maria Schnee"
1, Minoritenplatz 2

Herzog Leopold VI. kam 1219 auf dem Rückweg vom 5. Kreuzzug in Assisi vorbei. Dort ersuchte er den (hl.) Franziskus, ihm einige Minoritenbrüder zu schicken. 1224 trafen vier "frates minores" (mindere Brüder) beim Herzog in Wien ein. Der schenkte ihnen nahe der Ringmauer ein Grundstück, auf dem sich bereits ein Kirchlein befand, die Katharinenkirche.

1262 und 1275 legten Stadtbrände viele Häuser in Schutt und Asche. Der Minoritenkonvent blieb nicht verschont, was zum Bau einer neuen Kirche führte, zu der Ottokar II. Przemysl 1276 den Grundstein legte. Die Architekten blieben unbekannt. Es wird jedoch angenommen, daß es französische Minoriten-Brüder waren, die die typisch französische Kathedralgothik erschufen. Herzog Albrecht II. unterstütze den Bau mit Spenden und finanzierte vor allem das prachtvolle Hauptportal, vermutlich ein Werk des Ordensbruders Jacobus Parisiensis. Da der zur Donau fließende Ottakringer Bach den Bau behinderte, leitete man ihn in den Wienfluß ab.

Der Ludwigschor, im Grundriß wieder aufgebaut. Foto: Tjaky1316 - 1328 wurde der gotische Ludwigschor errichtet, der während des 14. und 15. Jhdt. gerne als Mausoleum für hohe Persönlichkeiten genutzt wurde. In josephinischen Zeiten wurde er zum Wohnhaus umfunktioniert. Beim Bau der U3 entdeckte man seine Fundamente, die man oben, am Gehsteig, mit einer kleinen Mauer "nachzeichnete".

Der Bau der eindrucksvollsten Bettelordenskirche dauerte lange und dürfte um 1350 beendet worden sein. In diesem Jahr soll nämlich der Legende nach ein 7 m langes Kreuz auf der Donau geschwommen sein. Ein Minoriten-Bruder zog es ans Ufer und brachte es in den Stephansdom. Am nächsten Morgen war das Kreuz verschwunden. In der Minoritenkirche fand es sich wieder - oberhalb des Hochaltares.
Minoritenkirche. Foto: TjakyAls die Minoriten Kirche und Kloster 1784 verlassen mußten, brachte man es nach Wimpassing, später wurde es am Süd-Turm in St. Stephan aufgestellt. Dort fiel es dem Brand im April 1945 zum Opfer. Eine Kopie befindet sich heute am Fuß des Nord-Turmes.

Nun wissen wir, weshalb die Katharinenkirche bald darauf dem "hlg. Kreuz" gewidmet wurde.

Zurück ins Jahr 1529. Die Türken stehen vor Wien und man kann sich gut vorstellen, daß die am Stadtrand stehende Kirche ein beliebtes Objekt für Zielschüsse war. Der hohe, schlanke Turm, der vor der imposanten Ostfassade anstelle eines Mittelchors steht, verlor seine Spitze.

Danach besetzten von 1559 bis 1620 Protestanten die Kirche. Die Schäden sind noch heute am rechten Seitenportal zu erkennen. 1633 wurde die Spitze des Turms wiederhergestellt. 1679 wurde das Kloser durch einen Brand zerstört. Auch während der 2. Türkenbelagerung mußte der Turm als Zielscheibe herhalten. Er verlor seine Glocken und zum zweitenmal die Spitze. Den wackligen Rest bedrohte 1761 ein starker Sturm. Nun reichte es den Kirchenvätern! Sein zerstörter Helm wurde durch ein flaches Zeltdach ersetzt, mit dem es dann keine Probleme mehr gab.

Minoritenkirche. Foto: TjakyPer Dekret versicherte Joseph II. am 21. November 1783 den Minoriten seine höchste Wertschätzung und verfügte, daß sie ins ehemalige Kloster der Trinitarier in der Alser Straße ziehen und den geistigen Beistand im nahegelegenen Krankenhaus übernehmen mußten. Begeistert zeigten sich die Ordensbrüder nicht über diese "höchste Wertschätzung"!

Der Kaiser schenkte die Minoritenkirche der "Italienischen Nation", womit wir dem zweiten Namen dieser Kirche etwas näher kommen. Die Italienische Kongregation hatte bereits 1773 die Katharinenkapelle von den Minoriten geschenkt bekommen, die sie vergrößern und renovieren ließ. Danach bekam sie den Namen "Maria Schnee". Nun im Besitz der Minoritenkirche, lies sie 1784 die Katharinenkapelle abreißen und übertrug "Maria Schnee" auf das verbleibende Gotteshaus.

Ab 1784 veränderte Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg vier Jahre lang den Hochaltar. Der neue erhielt das vom Triestiner Christof Unterberg gemalte Bild "Maria Schnee" Eine Kopie jenes Werks, das sich in Sta. Maria Maggiore auf dem römischen Esquilin befindet. Damit verlor die Kirche den Namen "hlg. Kreuz" und erhielt "Maria Schnee".

Legenden sind die G'schicht'ln der Kirche. Eine erzählt, daß ein älteres, kinderloses, sehr reiches Ehepaar in Rom die Gottesmutter bat, ihm zu sagen, wie sie eine große Summe einem guten Zweck zur Verfügung stellen könnten. Am 4. August erschien die Madonna dem Ehepaar im Traum und sagte, es möge eine Kirche dort errichten lassen, wo es am nächsten Morgen Schnee fände. Die beiden erwachten und fanden, als die Morgensonne aufging, tatsächlich ein Fleckchen Schnee. Dort steht nun eine Basilika, die "Maria Schnee" gewidmet ist.

Nicht nur den Altar gestaltete Hetzendorf um, er sorgte auch dafür, daß der Friedhof um die Kirche aufgelassen wurde, entfernte im Inneren der Kirche alle barocken Ein- und Umbauten und riß den Ludwigschor ab.
Das letzte Abendmahl als Mosaik. Foto: TjakyInteressant ist auch das Mosaik "Das letzte Abendmahl", eine Kopie des von Leonardo da Vinci geschaffenen Freskos, das sich in Mailand im Kloster "S. Maria delle Grazie" befindet. Napoleon gab dem römischen Mosaikkünstler Giacomo Raffaeli 1809 den Auftrag dazu. Die Ausführung erfolgte in romanischem Mosaik, das bedeutet: kleinste Steinchen (gerade ein paar Milimeter groß) und keine Zwischenräume, was weiter bedeutete, daß es erst fertig wurde, als der Kaiser der Franzosen kein Kaiser mehr war.
Die Füße von Jesus. Hier kann man die kleinen Steine erkennen. Foto: TjakyFranz II. erwarb das gute Stück, um es im Belvedere anbringen zu lassen, da stellte er fest, daß es zu groß ist. So fand es - 9,18 m breit, 4,47 m hoch, auf zwölf 24 cm dicken Steintafeln, mit einem Gewicht von ca. 20 Tonnen - seinen Standort in der Minoritenkirche.

Während der Besatzungszeit 1809 diente die Kirche als Lagerraum und Stall.

Das Klostergebäude wurde lange Zeit von den Kanzleien der kaiserlichen Verwaltung benützt, bevor es am Ende des 19. Jhdts. abgebrochen wurde. Danach erfolgte 1902 - 1909 der Anbau des chorähnlichen Sakristeihauses und des kreuzgangähnlichen Arkadenganges, in dem Teile von Grabsteinen, die aus der Katharinenkapelle, dem Ludwigschor und dem Minoritenkloster stammen, betrachtet werden können.

Grabstein an der Außenseite der Kirche. Foto: Tjaky   Sehr mittelalterlicher Fenstergucker an der Außenseite der Kirche. Foto: Tjaky

Am 1. Dezember 1957 bekamen die Minoriten die Kirche wieder zurück.

Daß die Kirche etwas mit Italien zu tun hat, bemerkt man sofort daran, daß alle Beschriftungen zweisprachig angeschrieben sind und auch Informationsmaterial zweisprachig aufliegt. Natürlich springt zuerst einmal der Hochaltar und "Das letzte Abendmahl" ins Auge. Weil die gotische Kirche aber sonst jeden überflüssigen Schnörksel vermeidet, fallen die Statuen (Ottokar von Böhmen, hl Johannes d. Täufer, Johannes d. Evangelist, Leopold d. Glorreiche, Madonnenstatue u.a.), die sich im Innenraum verteilen, umsomehr auf. Interessant sind auch die leider schon sehr verblaßten Wappen an den Wänden im hinteren Teil der Kirche.