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Sie wird gerne als die älteste Kirche
des historischen Wiens bezeichnet, denn Wolfgang Lazius berichtet 1546 in seinem
Werk "Vienna Austriae" von der Gründung der Ruprechtskirche im
Jahr 740, was jedoch nicht beglaubigt ist. Auch die Peterskirche stammt aus derselben
Zeit. Beiden Kirchen ist gemeinsam, daß sie auf dem Boden des römischen
Militärlagers stehen und sich in ihren Unterbauten ein paar Steine der ursprünglich
dort erbauten Kirchen finden. Das, was man von beiden heute sieht, wurde erst
später erbaut.
Man
nimmt an, daß die Ruprechtskirche im ersten Viertel des 9. Jhdt. entstanden
ist und gemeinsam mit dem Herrschaftssitz, dem Berghof und dem dazugehörenden
Marktplatz (Kienmarkt) das Zentrum der nachrömischen "Restsiedlung"
bildete. Kaiser Karl der Große hatte zu dieser Zeit seine Awarenkriege (791
- 799) bereits siegreich beendet und Wien war dem Missionssprengel von Salzburg
einverleibt worden. Damit erklärt sich zum einen die Beziehung dieser Wiener
Kirche zum weit entfernten Salzburg, zum anderen auch ihre Namensgebung. Sie ist
dem hlg. Ruprecht geweiht, der der erste Bischof von Salzburg und der Gründer
des bedeutenden Salzburger Klosters von St. Peter war, wo er 718 starb. Vitalis
war sein Nachfolger. Er starb 730 und wurde in der Abteikirche St. Peter (Szbg.)
beigesetzt. Unter der Orgelempore in der Ruprechtskirche befindet sich in einem
barocken Schrein die Reliquie des hl. Vitalis, ein Geschenk der Kaiserin Maria
Theresia.
Den
Bau des Langhauses sowie die unteren Turmgeschoße werden mit dem 11. Jhdt.
datiert. In seiner Einfachheit erinnert das einschiffige Gotteshaus mit der flachen
Holzdecke eher an eine Dorfkirche als an eine Stadtpfarrkirche, die St. Ruprecht
seit dem Beginn ihres Bestehens war. Gegen 1160 wurde sie in dieser Funktion von
St. Stephan abgelöst und erst 1161 erstmals urkundlich erwähnt. In dieser
Zeit (1160/70) wurde auch der quadratische Westturm zum letztenmal erhöht.
Nach dem großen Brand von 1276 in Wien wurde der frühgotische Chor
angebaut. In seinem Ostfenster findet sich die älteste Glasmalerei Wiens
(spätes 13. Jhdt.). Das Seitenschiff stammt aus dem 14. Jhdt.
Blickt
man vom Stiegenabsatz auf das gegenüberliegende Haus, sieht man ein Relief,
das die Bausituation um die Fuprechtskirche im 17. Jhdt. zeigt. Als in den 20er
Jahren des 19. Jhdts. die umliegenden Häuser wegen der vielen Brände
demoliert und neu aufgebaut wurden, geriet auch die altersschwache Ruprechtskirche
in Gefahr, abgerissen zu werden. Elisabeth Ernst ist es zu verdanken, daß
der einzige romanische Sakralbau Wiens noch steht: Sie erreichte in einer Audienz
bei Kaiser Franz nicht nur die Erhaltung der Kirche, sondern auch eine Subvention
für ihre Renovierung.
Die Stadt wuchs - die Ruprechtskirche nicht. Die Jahrhunderte brachten es mit
sich, daß das Kirchlein von den Bauten der späteren Epochen überragt
und eingeschlossen wurde. Nach dem Fall der Stadtmauern verstellte eine Häuserzeile
am Franz-Josephs-Kai die Sicht auf das Gotteshaus. Als diese von Bomben im 2.
Weltkrieg zerstört wurde, entschied man sich nach 1945 dazu, das Grundstück
nicht zu verbauen, was die Stadtväter bis heute erfreulicherweise durchgehalten
haben. Vom Donaukanal hat man freien Blick auf einen der ältesten baulichen
Zeugen der Geschichte Wiens.
Vor
der Kirche steht, von Moos überwachsen und hinter einem Busch versteckt,
der hlg. Ruprecht, 1837 in Stein festgehalten. In seinem linken Arm hält
er ein Salzfaß, welches zum einen daran erinnert, daß sich bereits
zur Römerzeit 15 m unterhalb der Kirche ein Donauhafen befand, in dem im
Mittelalter auch die aus dem Westen kommenden Salzschiffe anlegten, zum anderen
an die Salz liefernde Funktion des Landes Salzburg.
Leider ist die Ruprechtskirche nicht immer geöffnet. Die aktuellen Öffnungszeiten
und Termine findet Ihr auf der HP der Ruprechtskirche:

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