Franz Schubert
Schuberts Vater kommt als
junger Schulgehilfe nach Wien, lernt seine wesentlich ältere, künftige
Frau kennen, die er jedoch erst knapp zwei Monate vor der Geburt des ersten Kindes
heiratet. 13 andere folgen noch, das erste Kind hat einen Buckel. Das 12. ist
Franz. Neun seiner Geschwister sterben im frühen Kindesalter.
Kein Wunder: Sie leben auf 35 m², sanitäre Einrichtungen sind unbekannt,
Hygiene ein Fremdwort, und die Seuchengefahr stets vorhanden. Die mittellosen
Schüler des Vaters vermögen nicht das entsprechende Schulgeld aufzutreiben.
Der beruflich stets überforderte Vater setzt auch daheim seine Ansichten
diskussionslos durch. Franz lernt zu schweigen.
Mit acht Jahren erhält er den ersten Musikunterricht. Das Wunderkind hat
keine Chance, denn der Vater erstickt jeglichen Höhenflug im Keim. Er kann
sich nicht damit abfinden, daß der Bub zu komponieren beginnt. Er bekommt
kurz Klavierunterricht, lehnt dann aber seinen Lehrer ab und will sich als Autodidakt
weiterbilden.
Mit zehn Jahren spielt er auch Geige und Bratsche. Sein musikalisches Talent ist
nun nicht mehr zu übersehen. Auf eine Anzeige in der "Wiener Zeitung"
betreibt der Vater die Aufnahme seines Sohnes in das k.k. Konvikt. Franz bekommt
die Chorstelle für Sophran und lebt nun getrennt von seiner Familie in der
Uniform eines militärartig organisierten Ordens. Es gibt Prügel, strengen
Karzer mit Nahrungsentzug und Bespitzelungen. Da Franz kein Adeliger sondern der
Sohn eines armen Beamten ist, ist er auf ein Stipendium angewiesen und muß
dieses durch häufiges Singen, vor allem in der Kirche, abdienen.
Mit seinen geistlichen Lehrern lebt er in ständigem Konflikt. Unter seinen
Altersgenossen findet er einige Freunde. 1811 erteilt ihm sein Vater Kompositionsverbot.
1812 stirbt seine Mutter an Typhus. Franz wird nicht zu der Kranken gerufen, was
er seinem Vater sehr übel nimmt. Erst bei der Beerdigung haben sich die beiden
oberflächlich ausgesöhnt.
1813 kehrt er nach den Ferien nicht mehr ins Konvikt zurück und nimmt Unterricht
bei Saleri, der schon der Lehrer Beethovens war. Jedoch nicht lange, denn der
16jährige wird aufgefordert, dem Militär beizutreten. Da angehende Lehrer
vom Militärdienst verschont bleiben, läßt er sich, obwohl der
absolut keine Lust hat diesen Beruf auszuüben, zum Lehrergehilfen ausbilden.
Sein Vater freut sich über diesen Entschluß, denn der Sohn scheint
endlich vernünftig geworden zu sein.
Während er beim Vater als sechster Schulgehilfe die Anfänger unterrichtet,
komponiert er - auch während der Dienstzeit. Sind die Kleinen zu munter,
gibt's Prügel.
Die Auseinandersetzungen mit dem Vater nehmen wieder zu, zumal dieser nach dem
Tod seiner Frau nicht einmal das Trauerjahr abwartet, um neuerlich zu heiraten.
Mehr als von 1814 bis 1816 hält Franz den Schuldienst nicht aus. Er verläßt
das Elternhaus und taucht bei seinem Freund Schober unter.
Sein Bekanntheitsgrad steigt langsam. Im Sommer 1818 wird er beim Grafen Esterházy
als Musiklehrer eingestellt. Immerhin bekommt er dort an Lohn im Monat fast so
viel wie als Schulgehilfe im Jahr. Doch die Rolle als musikalischer Lakai gefällt
ihm schon bald nicht mehr.
Es muß in dieser Zeit gewesen sein, als sich Schubert, ebenso wie sein Freund
Schober, mit der Syphilis ansteckte und sich psychisch sowie äußerlich
stark veränderte. Man muß sich ihn nun dick und aufgedunsen vorstellen,
wodurch seine kurzen Extremitäten bei einer Körpergröße von
157 cm noch kürzer erschienen. Stark sehbehindert, trägt er auch ständig
eine dicke Brille.
Schubert zieht oft um. Er favorisiert Freunde, um sie bei nächster Gelegenheit
wieder fallen zu lassen. Einmal ist er der fröhliche, trinkfeste, lautstarke
Zechkumpan, dann zieht er sich plötzlich wieder in die Einsamkeit zurück.
1923 bricht die Krankheit unbarmherzig aus. Sein Äußeres wandelt sich
bis zum Ekelerregenden. Ausschläge überziehen seinen Körper, die
Haare fallen ihm aus. Manchmal trägt er eine Perücke. Der Freundeskreis
verkleinert sich. Gleichzeitig nimmt die Popularität seiner Werke in Deutschland
und Österreich zu.
Zwar nimmt er pünktlich die ihm verordneten Medikamente, doch Tee, Kaffee
und Stubenhockerei im Tabaksqualm machen deren Wirkung zunichte.
Im November 1924 erkrankt er außerdem an Typhus. Der von der Syphilis geschwächte
Körper besitzt kaum Abwehrstoffe. Dazu erlegt sich Schubert auch noch einen
Hungerstreik auf, denn es ekelt ihm vor jeder Speise.
Am 19. November 1828 stirbt Franz Schubert im Haus seines Bruders Ferdinand, bei
dem er in der letzten Zeit seines Lebens gewohnt hat.
Rechnet man die Kinderjahre von Schubert's Gesamtalter ab, bleiben 18 Jahre für
die Tätigkeit als Komponist. Da er beim Komponieren auch eine genaue zeitliche
Ordnung einheilt, konnte berechnet werden, daß er in diesen 18 Jahren mehr
als 30.000 Stunden komponierend verbracht haben muß, also über 4,5
Stunden pro Tag.
Schubert-Denkmal im Stadtpark.