-BIOGRAPHIEN

Die Strauß-Dynastie

Im Biedermeier schlug die Geburtsstunde des Wiener Walzers. sowohl bei Hof als auch in der Vorstadt tanzte man sehr zum Entsetzen der Tugendwächter erstmals parweise in engem Körperkontakt. Josef Lanner und Johann Strauß Vater waren so erfolgreich, daß die Tanzpaläste überall aus dem Boden schossen.

Johann Strauß Vater (1804 - 1849)

1825 trennt er sich von seinem Kompagnon Lanner und baut sein eigenes Orchester auf. Nach den ersten Erfolgen schließt er einen 6jährigen Kontrakt mit dem Etablissement Sperl ab. Nach und nach kommen andere Lokale dazu, sodaß er bald 200 Musiker beschäftigt, die in mehreren Gruppen auftreten. Mit den besten 50, seinem Eliteorchester, übt er unermüdlich.

Ebenfalls 1825 heiratet er die Wirtstochter Maria Anna Streim. Im selben Jahr wird Johann, der Sohn geboren. Ihm folgt 1827 Joseph, 1829 Tochter Anne, 1835 Eduard und Ferdinand, der jedoch bald nach der Geburt stirbt.

1828 versöhnt sich Strauß mit Lanner. Beide am Gipfel ihres Erfolges führen sie Wien in einen Taumel der Walzerseligkeit.

1824 bezieht Strauß vier Wohnungen im "Hirschenhaus" in der Taborstraße, welche Jahrzehnte im Besitz der Familie bleiben.

1833 beginnt er seine Gastspielreisen, die ihn nach Budapest, Deutschland, Belgien, Frankreich und England führen. Er bereitet sich gut auf diese Länder vor, lernt verschiedene Sprachen und sorgt auch immer gut für seine Musiker.

Am 25. September 1849 stirbt er im Hause Stadt 817 (heute Kumpfgasse 11) im Alter von 45 Jahren an Scharlach. Er hinterläßt 251 Werke.

Johann Strauß Sohn (25. 10. 1825 - 3. 6. 1899)

Seine Urgroßmutter stirbt an der Schwindsucht, der Urgroßvater endet im Versorgungshaus. Der Großvater, Franz Borgias, ertränkt sich in der schönen blauen Donau. Er und seine Frau haben sechs Kinder, von denen nur zwei überleben. Eines davon ist Johann, der später der "Vater" genannt werden wird und 45jährig stirbt. Sein "Sohn" geht als "Schani" in die Geschichte ein.

Die Mutter fördert den Sohn, der Vater ist dagegen, daß er Musiker wird. Ahnt er die künftige Rivalität oder will er ihn nur vor dem schweren Leben eines freischaffenden Künstlers bewahren?

Klein Johann, der Sohn, schreibt als Sechsjähriger seinen ersten Walzer, nimmt heimlich Violinunterricht und geht bei Josef Drechsler in die Musiker-Lehre.
"Mein Vater", schrieb der alte Johann Strauß (Sohn) an seinen Verleger, "entdeckte zufällig sein Compositions-Talent. Das Componieren war damals offenbar eine leichtere Kunst als heutzutage. Zur Hervorbringung einer Polka durchstudiert man jetzt die gesammte Musikliteratur und vielleicht auch noch einige philosophische Systeme. Früher gehörte zum Componieren nur Eines: 'es mußte Einem was einfallen', und merkwürdigerweise 'fiel Einem auch immer was ein'."

Der erste Auftritt am 15. Oktober 1844 beim Dommayer in Hietzing war ein durchschlagender Erfolg. Aber der Jubel war voreilig. Man mied den Strauß-Sohn, denn man wollte den Vater nicht vergrämen. Als der Sohn begriff, daß er nur Sohn des berühmten Vaters war, suchte er sein Publikum anderswo: Er entdeckte die Nationalitäten des Vielvölkerstaates

Die Revolution 1848 schlägt sich in den Werken beider nieder. Der Vater komponiert zunächst einen "Freiheits-Marsch", besinnt sich dann aber der Kaisertreue und schreibt jenen "Radetzky-Marsch", der ihn unsterblich macht.

Dem Sohn passiert ein Ausrutscher, als er sich im "Grünen Tor" vom Publikum dazu hinreißen läßt, die politisch hochbrisante "Marseilleise" aufzuführen. Die Rüge der Obrigkeit läßt nicht lange auf sich warten. Johann-Sohn schreibt zwar noch schnell die ironische Polka "Geißelhiebe", für den Rest seines Lebens, immerhin 50 Jahre, begnügt er sich mit der Rolle des braven Untertans.

Als der Vater 1849 stirbt, gewinnt er das Vertrauen der väterlichen Kapelle und übernimmt sie.

1863 - 1870 war er Hofballmusikdirektor, eine Funktion, in der ihm 1871 sein Bruder Eduard folgte.


Joseph Strauß, zwei Jahre jünger als Johann, wird von diesem selbst als "der Begabtere" bezeichnet. Zuerst verfolgt Joseph zielstrebig seine Ingenieurs-Laufbahn und erfindet die Straßenkehrmaschine. Er wendet sich erst dann der Musik zu, als er von der Familie dazu aufgefordert wird. Johann, nach zwei physischen Zusammenbrüchen den Strapazen eines erfolgreichen komponierenden Kapellmeisters nicht mehr gewachsen, freut sich über die Unterstützung seines Bruders, welcher sich jedoch bewußt war, daß er nur bestehen kann, wenn er auch komponieren würde.
Dieser Arbeitsteilung verdankt Johann, daß er fortan nicht mehr jeden Abend von Konzert zu Konzert hetzen mußte, sondern auch seine triumphalen Reisen nach Rußland unternehmen konnte.

Johann Strauß, der 1870 die Mutter und bald darauf auch seinen Bruder Joseph verliert, überläßt die Leitung der Kapelle fortan Eduard. Er kränkelt, ist unglücklich und vereinsamt. Er liebt es, bei stürmischem, trostlosem Wetter zu komponieren; reist bei geschlossenen Vorhängen; legt sich flach auf den Boden, wenn der Zug einen Tunnel durchfährt und weigert sich, an den Begräbnissen seiner Angehörigen teilzunehmen. Er wechselt die Religion und die Staatsbürgerschaft, um noch einmal heiraten zu können. Das Wahrzeichen Wiens - heute im Stadtpark glanzvoll vergoldet - stirbt als Bürger des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha.


Eduard Strauß erreichte das Niveau seiner älteren Brüder nie ganz. Er war ein tüchtiger Kapellmeister, dessen Ruhm durch einen unglaublichen Akt des Vandalismus überschattet wird. 1907 läßt er, unter Berufung auf eine angebliche Übereinkunft mit Joseph, das gesamte, drei Wagenladungen umfassende Notenarchiv der Straußkapelle verbrennen.


Johann Strauß Sohn-Denkmal im Stadtpark.
Johann Strauß Vater-Denkmal im Rathauspark.