-RINGSTRASSE

Das Burgtheater

1742 wurde das "Königliche Theater nächst der Burg" eröffnet. Ab 1821 führte das Haus offiziell den Namen "Hofburgtheater" und stand auf dem Michaelerplatz. Es war ein langgestreckter, eher unansehnlicher Bau, der - trotz seiner Unzulänglichkeiten - von den Wienern geliebt wurde. Es machte Publikum und Schauspielern nichts aus, daß es zog, sich die Schauspielergarderoben hinter Bretterverschlägen befanden, die Kulissen und Requisiten auf den Gängen herumstanden, die so eng waren, daß der letzte Besucher erst eine Stunde nach Vorstellungsende das Gebäude verließ.

In den ersten Plänen der "neuen Ringstraße" war ein Theater nicht eingeplant. Erst der Architekt Gottfried Semper konnte den Kaiser für ein neues Theater, ins "Kaiserforum" integriert, interessieren. Doch das Spiegelbild der Neuen Hofburg kam aus Geldmangel nicht zustande und das Burgtheater wurde als Gegengewicht zu Parlament-Rathaus-Universität gebaut.

Am 16. Dezember 1874 erfolgte der Spatenstich, doch der Bau ging sehr schleppend voran, denn die beiden Architekten, Gottfried Semper und Karl Hasenauer, lagen sich aufgrund ihrer völlig verschiedenen Charaktäre und Vorstellungen ständig in den Haaren. Semper wollte kühl und sachlich ein nüchternes Haus errichten, während Hasenauer vor allem dekorativ gestalten wollte. 1876 zog sich Semper wegen seiner angegriffenen Gesundheit nach Rom zurück, wo er drei Jahre später starb. Hasenauer hinderte nun niemand mehr, seine Ideen zu realisieren.

Das Burgtheater vom Volksgarten aus gesehen. Im Winter werden die zahlreichen Rosensträucher liebevoll verpackt. Foto: TjakyAm 12. Oktober 1888 fand im Beisen fast aller Angehörigen des Kaiserhauses die Abschiedsvorstellung im alten Haus statt, tags darauf wurde das neue am damaligen Franzensring mit Grillparzers "Esther" und Schillers "Wallensteins Lager" eröffnet. Zuerst waren die Wiener begeistert von der sich ihnen bietenden Pracht, bald aber beklagten sie sich über die schlechte Akkustik, die noch schlechtere Sicht und die vorwiegend weiße Innendekoration. Über acht Jahre lang blieben die Zustände aufrecht. Dann schloß man das Theater 1897 für sechs Monate, um die Decke abzusenken, den Innenraum umzugestalten und die Dekoration farblich zu verändern. Nach der Wiedereröffnung wurde das Burgtheater allgemein vom Publikum und von den Schauspielern akzeptiert.

Die Statue ganz oben auf dem Burgtheater. Foto: TjakyDurch einen Bombentreffer und einen Brand wurde das Theater 1945 schwer beschädigt. Prof. Michael Engelhart übernahm die Instandsetzung, die recht schleppend vor sich ging. Erst 1955 wurde das Haus mit Grillparzers "König Ottokars Glück und Ende" wiedereröffnet.

Im Burgtheater herrschen eigene Gesetze. Bis vor einigen Jahren gab es das sog. Vorhangverbot. Ausschließlich Debütanten durften sich bei ihren ersten drei Rollen vor dem Vorhang verneigen. Aus vielen dieser Debütanten sind später Stars geworden.

Filmaufnahmen im Burgtheater - und wenn keine Sonne scheint, dann macht man sie! Foto: TjakyNa, eine hab ich noch:

Man gab Nestroys "Das Mäderl aus der Vorstadt". Paul Hörbiger spielte den "Schnoferl". Bereits in der Pause flossen hinter der Bühne Ströme von Sekt, da sich bereits ein ganz besonderer Erfolg abzeichnete. Hörbiger hatte im 3. Akt ein Weinlied zu singen, welches im besonders gut gelang. Beim Torkeln verlor er tatsächlich das Gleichgewicht und stürzte ins Orchester, direkt auf den Rücken eines Flötisten. Beiden passierte nichts. Hörbiger kletterte - ohne während des gesamten Mißgeschicks seinen Gesang zu unterbrechen - über die Rampe auf die Bühne und beendete das Lied unter dem tosenden Applaus der Zuschauer.