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Bauzustand um 1550 |
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Erweiterungen 2. Hälfte 16./17.
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Zubauten im 18. Jh. |
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Neubauten im 19. Jh |
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Als es die Hofburg noch
nicht gab, residierten die vorbabenbergischen Formbacher im "Berghof"
neben der Ruprechtskirche; die Babenberger etwa ab 1155 in der "Pfalz"
auf dem Platz "Am Hof". Als Friedrich II. 1275 das Zeitliche gesegnet
hatte, beanspruchte der Böhmenkönig Ottokar Przemysl II. die Herrschaft
in den österreichischen Ländern. In der Chronik "Continuatio Vindobonensis"
steht geschrieben, daß Ottokar 1275 mit dem Bau einer wehrhaften Burg nahe
der Ringmauer begonnen hat. Ab 1279, so findet es sich in der Chronik weiter,
residierten die Habsburger - ein Jahr nach Ottokars Tod in der Schlacht bei Dürnkrut
- bereits in der Burg.
Im Laufe der Jarhhunderte wurde permanent an sie angebaut, die Gebäude umgestaltet
und erweitert. Zwar gab es mehrmals Pläne, sie komplett zu erneuern, doch
keiner davon wurde je umgesetzt. Heute besteht der Komplex der Hofburg, der von
der Gotik des 13. Jhdts. bis zum Späthistorizismus des beginnenden 20. Jhdts.
sämtliche Stilrichtungen aufweist, auf einem Areal von 240.000 m² samt
Plätzen und Gärten aus 18 Trakten, 19 Höfen und über 2.500
Räumen, in denen ca. 5.000 Menschen beschäftigt sind. |
Kurzfassung für Eilige
Dem turmbewehrten gotischen Schweizerhof
(A), an den König Ferdinand I. einen schmalen Wohntrakt für
seine Kinder anschloß, folgten in der Renaissancezeit das schöne Schweizertor
(a) (1552), weiters - noch freistehend - die Stallburg
(B) (1558 - 1565) und die Amalienburg
(C) (1575 - 1611).
Leopold I. ließ den frühbarocken Leopoldinischen
Trakt (D) (1660 - 1668) erbauen.
In der hochbarocken Epoche entstanden unter Kaiser Karl VI. nach dem Hofstallgebäude
(E) am äußeren Rand des Glacis (ab 1719) die Hofbibliothek
(F) (1721 - 1735), der Reichskanzleitrakt
(G) (1723 - 1730) und die Winterreitschule
(H) (1729 - 1735).
Maria Theresia, die sich vornehmlich dem Ausbau von Schönbrunn widmete, fügte
lediglich die Redoutensäle
(I) (1744 - 1748) hinzu und ließ 1767 - 1773 die Fassaden am Josephsplatz
vereinheitlichen.
Franz II. (I.) fügte in Richtung Burgbastei den klassizistischen Zeremoniensaal,
htg. Kongreßzentrum (J) (1802 - 1806) und, nachdem Napoleon 1809
die Burgbastei hatte sprengen lassen, im Zuge der kleinen Stadterweiterung das
klassizistische Äußere
Burgtor (K) (1821 - 1824) hinzu.
Unter Franz Joseph I. erfolgte die letzte Erweiterung: jenseits der Ringstraße
die beiden Hofmuseen (L) (1872
- 1891), das htg. Kunsthistorische (La) und Naturhistorische (Lb) Museum, am Heldenplatz
die Neue Burg (M) (1881 - 1913) und
stadtwärts der Michaelertrakt
(N) (1889 - 1893).
SCHWEIZERHOF (A) (1275 - ???)
Diese
erste Befestigung mit ihren vier mächtigen Ecktürmen und dem Burggraben
ist der älteste bis heute bestehende Teil der Hofburg. Der Name stammt aus
späterer Zeit: Hier hatte unter Kaiserin Maria Theresia die von Papst Julius
II. geschaffene Schweizergarde ihre Räumlichkeiten. Die fast quadratisch
angelegte Anlage hat ihr Aussehen grundsätzlich bewahrt, nur die Fassade
wurde 1547 - 1552 umgestaltet.
Links im Hof befindet sich ein Brunnen aus dem 16. Jhdt., in der gegenüberliegenden
Ecke der Eingang hinunter zur Schatzkammer,
rechts über die Treppe hinauf gelangt man in die Burgkapelle.
Heute sind in den Räumlichkeiten des 2. Stockwerks das Bundesdenkmalamt untergebracht.
Von der hochgotischen BURGKAPELLE erfahren wir 1296 zum erstenmal. Sie
wurde zwar 1447 - 1449 von Friedrich III. umgestaltet und barockisiert, 1802 jedoch
regotisiert. Von der ursprünglichen Kapelle sind nur noch 13 Holzfiguren
(1470/80) erhalten. Das einschiffige Gotteshaus mit Netzrippengewölbe hat
drei Emporen, einen Hochaltar aus der zweiten Hälfte des 18. Jhdt. und eine
außergewöhnlich gute Akkustik, die die Sonntagsmesse, bei der die Wiener
Sängerknaben singen, allwöchentlich zu einem ganz besonderen Ereignis
werden lassen. (Eintrittskarte erforderlich!)
Am linken Seitenaltar befindet sich die aus dem ersten Drittel des 15. Jhdts.
stammende Holzskulptur "Maria mit Kind". Im Tabernakel steht das Wunderkreuz
Ferdinand II., welches dem Kaiser im 30jährigen Krieg Mut zugesprochen haben
soll.
In der weltlichen SCHATZKAMMER sind in 16 Räumen unter anderem die
Reichskleinodien aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, Krönungs-
und Ordensinsignien sowie Erinenrungsstücke aus dem habsburgischen Besitz
zu sehen. Die geistliche Schatzkammer umfaßt 5 Räume, in denen die
am kaiserlichen Hof verwendeten liturgischen Geräte und Meßgewänder
gezeigt werden. Hier sind auch eine Reihe von Reliquien - wie der Kreuzesnagel,
der die rechte Hand Christi durchbohrt haben soll, sowie ein Zahn des hl. Petrus
- aufbewahrt.

Zu einer Zeit, als in den Chroniken noch
von Raubrittern und Fehden erzählt wird, als die erste Donaubrücke am
Tabor errichtet wird und als Vorbefestigung vor der Stadtmauer auf Befehl von
Bgm. Hans Steger Pallisadenzäune errichtet werden, wird die Burg von Wiener
Bürgern besetzt. Das erstemal 1451, doch da weilte Friedrich III.
gerade in Wr. Neustadt, und die Sache ging noch glimpflich ab.
Anders 1462. Zuerst stritt sich Albrecht VI. mit seinem Vater wegen dem
Anspruch auf die donauösterreichischen Gebiete. Nicht nur die Herrscherfamilie
spaltete sich in zwei Lager, auch das Wiener Volk. Und so ging es heiß her
in Wien. Albrecht wollte samt seinem Heer hinein und wurde zurückgeschlagen,
dann riß die albertinische Partei in Wien die Macht an sich. Da sich Friedrich
nicht gegen herumstreifende plündernde Söldnerhorden behaupten konnte,
sagte sich die Stadt Wien von ihm los. Man wollte ihn aus Wien hinauswerfen, aber
Friedrich verschanzte sich in seiner Burg. So kam es zu ihrer Belagerung, die
auch ein Heer unter der Leitung des böhmischen Königs Georg Podiebrad
nicht beenden konnte. An der Burg entstanden große Schäden. Schlimmer
noch als die Attacken der Bürger quälte jedoch die Kaiserfamilie der
Hunger, sodaß sie sogar Katzen und Hunde verspeisten. Schließlich
einigte man sich darauf, daß Albrecht acht Jahre lang Niederösterreich
regieren sollte, während Friedrich mit seiner Familie Wien verlassen durfte.
Die Wiener Fangemeinde spaltete sich abermals, als der Ungarnkönig Matthias
Corvinius gegen die Stadt zog. Er lagerte mit sienem Heer in St. Marx und
beschoß die Stadt mit großen Steinen, was Friedrich - inzwischen zurückgekehrt
- am 23. Mai 1485 veranlaßte, abermals und endgültig die Flucht zu
ergreifen.
Corvinius residierte fünf Jahre lang in der Burg, förderte die marode
Universität und starb am 6. April 1490. Ab dem 19. August 1490 bewohnte wieder
ein Habsburger, Maximilian I., die Burg. Sein Interesse am Ausbau der Gebäude
war begrenzt.
Machen wir in der Chronologie einen Sprung zurück. Dort, wo heute der Amalientrakt
steht, befand sich vorher der "Cillienhof", die Residenz der
mächtigen Grafen von Cilli. Nachdem die Cillis ausgestorben waren, verleibte
sich Friedrich II. deren Besitz ein und seit der Zeit Maximilians I. wurde der
Cillihof als Zeughaus genutzt, wo natürlich auch viele Waffen und eine Menge
Pulver gelagert wurden. In diesem Gebäude brach am 18. Juli 1525 - womit
wir die Chrolologie wieder eingeholt hätten - ein Brand aus, der schnell
um sich griff und neben der Burg auch noch 416 Häuser (= 40 % des Baubestandes
Wiens) zerstörte.
Kaum hatte man Burg und Häuser wieder notdürftig instand gesetzt, standen
1529 die Türken vor Wien. Im Oktober traten sie aus Angst vor
dem Winter den Rückzug an. Danach legten die Habsburger größeres
Augenmerk auf den Ausbau der Stadtbefestigung als auf den der Burg.
Unter Karl V. wurden die habsburgischen Erblande geteilt. Ferdinand erhielt
den österreichischen Teil und setzte als erste Maßnahme, das Silbergeschirr
der Burg einer genauen Inventur zu unterziehen.
In
den Schweizerhof gelangt man durch das SCHWEIZERTOR (1552/53), das seine
ursprüngliche Farbgebung erhalten hat, an der Decke ein schönes Groteskenfresko
und die Wappen verschiedener österreichischer Provinzen zeigt. Die Rollen
für die Kette der Zugbrücke sowie die Reste des Burggrabens zu beiden
Seiten des Tores sind noch deutlich zu sehen. Vermutlich wurde es von Pietro Ferrabosco
errichtet.
Links
am Tor auf der Hofseite, ca. 70 cm über dem Boden, findet sich eine Inschrift:
"Si deus pro nobis quis contra nos" (Wenn Gott mit uns ist, wer kann
gegen uns sein?) und "1660". Der Spruch stammt aus dem Brief des Paulus
an die Römer und war auch der Wahlspruch der Gattin des Erzherzog Johann.
Ob Kritzelschrift und Jahreszahl wirklich zusammengehören und wer die Inschrift
angebracht hat, bleibt ungeklärt.
Anders verhält sich das bei der Inschrift "Restaur. in memoriam Caroli
Altmann 1949" auf der anderen Seite des Tores. Als die Nazis in Österreich
einmarschierten, floh Bernhard Altmann mit seiner Frau ins Ausland. Nach seiner
Rückkehr ließ der Textilfabrikant auf seine Kosten das Schweizertor
restaurieren und gedachte dabei seinem Vater, der ihm einst die Schönheiten
Wiens gezeigt hatte.

Platzmangel war
der ausschlaggebende Grund zur Erbauung des architektonisch bedeutendsten Bauwerks
dieser Zeit, der
STALLBURG (B) (1558 - 1565),
ein
dreigeschossiges Gebäude, welches einen prächtigen Arkadenhof umgibt.
Eigentlich sollte es der Wohnsitz Maximilians II. (der mit dem ersten Elefanten
in Wien) werden, doch schon 1565 baute man es zum Hofstallgebäude um. Heute
sind dort die Pferde der Spanischen
Reitschule untergebracht. Der Brunnen mit dem schmiedeeisenen Gitter stammt
aus dem Jahr 1675.
1945 wurde die Stallburg durch Bombentreffer schwer beschädigt und wiederhergestellt.
Während in Wien die Menschen um Religionsfreiheit
kämpften und der Aufstand in Böhmen nach dem Prager Fenstersturz seinen
Höhepunkt fand, entstand ein weiterer Trakt: die
AMALIENBURG (C) (1. Teil: 1575 - 1600).
Den Bauauftrag gab Erzherzog Rudolf, der hier eigentlich seinen Hof einrichten
wollte, an Pietro Ferrabosco. Als der Rudi Kaiser wurde und seine Residenz nach
Prag verlegte, nutzte sein Bruder, Erzherzog Ernst, das Gebäude und brachte
im damals noch freistehenden Vierflügelbau auch seine Kunstkammer unter.
Zwischen
1600 und 1611 wurde das Gebäude (2. Teil) von Hans Schneider und Antonio
de Moys aufgestockt und mit dem Aufsetzen des Uhrtürmchens vollendet. Auf
diesem Uhrtürmchen kann man auch den Sonnen- und Mondstand ablesen. Unter
dem Zifferblatt der Räderuhr ist eine wesentlich größere Sonnenuhr
angebraucht - vermutlich dachte man sich: "Sicher ist sicher." Kaiserin
Elisabeth verließ sich bei ihren Ausfahrten auf das Tier auf der Spitze,
welches nicht einen Wetterhahn, sondern das Burgrössel darstellt.
Ihren Namen bekam die Amalienburg erst im 18. Jhdt., als die Gattin Josefs I.,
Wilhelmine Amalia, diesen Trakt als Witwenwohnsitz benutzte.
Die Innenräume wurden unter Maria Theresia von Nikolaus Pacassi neu gestaltet.
Nach Zar Alexander I. von Rußland, der während des Wiener Kongresses
hier wohnte, ist das im Rokoko ausgebaute Alexander-Appartement benannt.
Heute befindet sich in den Räumlichkeiten die Kanzlei des Außenministers.

Mit der
Rückkehr des Hofes von Prag nach Wien (1612) begann die Entwicklung dieser
Stadt zur "Kaiserstadt". Unter Leopold I., dem ersten "Barockkaiser",
entstand nicht nur das erste Waisenhaus für Knaben (eines für Mädchen
gab es schon), sondern auch der
LEOPOLDINISCHE TRAKT (D) (1660 - 1668).
50 Jahre lang gab es kein verbindendes Gebäude zwischen Amalientrakt und
der mittelalterlichen Burg. Der langgestreckte Leopoldinische Trakt, von Leopold
I. in Auftrag gegeben und von Philiberto Lucchese durch Carlo Martino und
Domenico Carlone erbaut, ist Audruck des aufkommenden Residenzgefühls der
Habsburger.
Kaum
war das Gebäude fertig und der Kaiser eingezogen, fiel es im selben Jahr
seiner Fertigstellung einem Brand zum Opfer. Also: das Ganze noch einmal bitte
- und gleich etwas größer, um einen Stock höher und schöner!
Giovanni Pietro Tencala realisierte den Wunsch des Herrschers.
Obwohl der Brand auf einen unachtsamen Bauarbeiter zurückgeht, schob man
ihn den Juden in die Schuhe, die daraufhin aus Wien vertrieben wurden (Siehe dazu:
Judenplatz.)
Hier wohnte und residierte auch Maria Theresia mit ihrem Sohn Joseph II. Von ihr
stammt die Inneneinrichtung der Appartements, die der Öffentlichkeit nicht
zugänglich sind, da hier seit 1947 die Amtsräume des Präsidenten
und die Präsidentschaftskanzlei untergebracht sind. Das Arbeitszimmer Kaiser
Josephs II. benutzt heute das österreichische Staatsoberhaupt. Und wenn auf
der Dachspitze des Leopoldinischen Traktes die rot-weiß-rote Fahne weht,
ist der Präsident im Haus.

Hofburg und Bundespräsident
Maria Theresia veranlaßte, daß
ein Balkon zum Heldenplatz angebaut wurde. Die Frau wollte nämlich ihre Kinder
beim Spielen beobachten können.
1970 wurde der Trakt gründlich renoviert. Dabei entdeckte man seine ursprüngliche
Farbgebung: die Wandflächen waren hellgelb, Pilaster und Gesimse steingrün
und die Metopenfelder im Kreuzgesime abwechselnd grau und rosa. Es war sicher
ein netter, farbenfroher Anblick.
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