-RINGSTRASSE

Die Staatsoper

Oper. Foto: TjakyAus der Ausschreibung 1860 gingen August Sicard von Siccardsburg (Gesamtplaner) und Eduard van der Nüll (Innenarchitekt) als Sieger hervor. 1863 erfolgte die Grundsteinlegung.

Die Öffentlichkeit lehnte schon bald die Arbeit der beiden großartigen Architekten ab.
"Der Siccardsburg und van der Nüll,
die haben beide keinen Stül! Griechisch, Gotisch, Renaissance, das ist ihnen alles ans." "Schwer wie ein in der Verdauung liegender Elefant" oder als "Bahnhof" verspottet, so kritisierte man die Erbauer des "K. K. Hofoperntheaters".

Es gab keine Unfähigkeit, die man den beiden nicht unterstellte. Als dann auch noch das Hofbauamt das Niveau der Ringstraße um einen Meter erhöhen ließ, verglich man die Oper mit einer versunkenen Kiste und selbst der Kaiser hielt sich nicht mit seiner Kritik zurück.

Oper in BauDie damals sogenannte "Hofoper", heute "Staatsoper", von den Wienern schlicht "Oper", ersetzte ab 1869 das traditionsreiche Kärntnertortheater, das etwa an der Stelle des Hotel Sacher mit der Front zum Albertinaplatz stand.

Am 25. Mai 1869 wurde das Haus als der erste Monumentalbau der Ringstraße mit Mozarts "Don Giovanni" eröffnet. Die beiden Erbauer konnten den Festakt jedoch nicht mehr miterleben. Van der Nüll beging am 3. April 1868 Selbstmord, da er die permanente Kritik an seiner Arbeit nicht verkaftete. August von Siccardsburg erlag am 11. Juni 1868 einem Herzinfarkt.
Dem Kaiser Franz Joseph ging der Tod der beiden Architekten peersönlich so nahe, daß er von diesem Zeitpunkt an der Öffentlichkeit jegliche Kritik an der Oper untersagte.

Betrachtet man heute die Oper von vorne, sieht man den historischen Teil, der vom ursprünglichen Bau erhalten geblieben ist. Die beiden Pegasusgruppen oberhalb der Loggia sowie die fünf Bronzefiguren über den Arkadenbögen (Allegorien von Heroismus, Drama, Phantasie, Komik und Liebe) stammen von Ernst Julius Hähnel. Rechts und links befinden sich die beiden Brunnen von Siccardsburg und van der Nüll, die gegensätzliche Welten darstellen: der linke "Musik, Tanz, Freude, Leichtsinn", der rechte "Loreley, Trauer, Liebe, Rache".

Am 12. März 1945 wurde die Oper bei einem Fliegerangriff schwer getroffen und bis auf die Hauptmauern und das große Stiegenhaus völlig zerstört. Nach Entwürfen von Erich Boltenstern, Otto Prossinger und Ceno Kosak wurde das Gebäude in enger Anlehnung an das Original mit einem Kostenaufwand von 260 Mio. Schilling 1949 renoviert. Sechs Jahre lang war die Oper eingerüstet, worüber sich die Wiener abermals moquierten.

Die glanzvolle Wiedereröffnung erfolgte am 5. November 1955 mit Beethovens "Fidelio" unter Karl Böhm.

Das Orchester bilden die Wiener Philharmoniker und mit dem Staatsopernballett besitzt das Haus auch sein eigenes Ballett.

Internationale Beachtung findet alljährlich der Opernball, der Höhepunkt des Wiener Faschings.