Die
Postsparkasse
Das "k.k. Postsparcassenamt",
wie es ursprünglich hieß, die "Sparcasse für den kleinen
Mann", war zuerst im Dominikanerkloster in der Wollzeile 37 untergebracht,
wo für die Angestellten schlechteste Bedingungen herrschten: Mäuse fraßen
ihnen ihre Jausenbrote weg. Da kaum Fenster geöffnet werden konnte, herrschte
schlechte Luft. Und schmutzig war es auch. Als eine 32jährige Angestellte
starb, protestierte das Personal heftigst. Doch die Direktion reagierte nicht
darauf - der neue Bau, der anstelle der 1898 abgerissenen Franz-Joseph-Kaserne
errichtet wurde, stand kurz vor seiner Vollendung, und dort würde alles anders
werden.
Man
hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben. 32 Entwürfe gelangten zur Beurteilung.
Der vom damals bereits über 60jährigen Otto Wagner gelangte, wenn auch
mit einigen Einwänden, zur Ausführung. Wagner baute in zwei Etappen:
1904 - 1906 und 1910 - 1912.
Das Bild, das der auf der Ringstraße Flanierende vom PSK-Gebäude erhält,
ist das einer überdimensionalen Geldkiste. Diese Fassade mit ihren Nieten
an den Granit- und Marmorplatten erregte vor allem das Mißfallen des Thronfolgers.
Doch hinter der sachlichen, unverschnörkselten Fassade verbirgt sich ein
Tempel.
Das Herzstück im Inneren ist der Eingang und der Kassensaal, dessen Bauweise
aus der Kirchenarchitektur übernommen scheint. Die große Kassenhalle
ist 554 m² groß, mit Glas überdacht und eigentlich ein "glasgedeckter
Hofraum".
1926 wurde das Institut in "Österreichische Postsparkasse" umbenannt.
Von 1938 - 1945 war sie der Reichspostsparkasse eingegliedert. Während des
Zweiten Weltkriegs blieb das Gebäude von Zerstörungen verschont, ein
Großteil der Einrichtung bekam jedoch Beine. Nur wenige Stücke fanden
nach dem Krieg wieder in das Haus zurück.
1957 erfolgte die erste Teilrenovierung durch Prof. Clemens Holzmeister. Die Generalsanierung
1974 durch Prof. Josef Stein stieß auf heftige Kritik, denn vor allem im
öffentlich zugänglichen Kassenraum hatte er einschneidende Veränderungen
am Werk Otto Wagners vorgenommen.
Ein virtueller
Rundgang gefällig? Kein Problem!
Georg
Coch (1842 - 1890), Begründer der PSK
Standort: Georg-Coch-Platz vor der PSK.
Der gebürtige Hesse kam 1869 nach Wien.
Cochs Gedanke bei der Schaffung der PSK war, auch den kleinen Bürger ins
Wirtschaftsleben einzubinden. Die führenden Köpfe der Hochfinanz sahen
darin eine ernstzunehmende Gefahr. Drei Jahre lang war Coch Direktor der Postsparkasse.
1883 führte er den bargeldlosen Zahlungsverkehr ein. Bis es zu einer endgültigen
gesetzlichen Regelung kam, war Coch mit seinen Reformen vielen Politikern und
Bankiers ein Dorn im Auge. Das führte schließlich zu seiner Suspendierung
als Beamter und zu seiner Emigration.
Das Denkmal ist sieben Jahre jünger als die PSK, stammt aus der Werkstatt
des Bildhauers Hans Scherpe und wurde am 28. Mai 1913 enthüllt. Ursprünglich
war nur die Aufstellung einer Büste geplant. Damals wie im Sommer 1995, als
die Tiefgarage gebaut wurde und das Denkmal bei einem Steinmetz in Traiskirchen
untergebracht war, wurde heiß darüber diskutiert, ob ein so hohes Denkmal
denn nicht die Sicht auf das PSK-Gebäude verstellt. Damals wie heute setzte
sich die Stadt Wien gegen den Widerstand der Bevölkerung durch.