Der Schwarzenbergplatz
Nach der Völkerschlacht
bei Leipzig waren 100.000 Tote und Verletzte zu beklagen, dennoch beschloß
Kaiser Franz Joseph 1861, daß Carl Philipp Fürst zu Schwarzenberg,
der Sieger in der Schlacht bei Leipzig, ein Denkmal erhalten soll - außerhalb
der Hofburg, auf dem Schwarzenbergplatz.
Der Bildhauer Ernst Julius Hähnel stand nun vor dem Problem, die Dimension
eines Denkmals auf noch nicht vorhandene Bauwerke abzustimmen.
1863 stand Heinrich Ferstel
als Architekt der Palais fest, die Erzherzog Ludwig Viktor, der jüngste der
kaiserlichen Brüder, sowie Franz Wertheim, Großindustrieller, in Auftrag
gaben. Ferstl arbeitete zuerst einen Gesamtentwurf für den Platz aus.
Die
Baublockdimension schlägt er mit dem Palais Ludwig Viktor an. Der Erzherzog
ließ Ferstel bei der Platzauswahl freie Hand. Dieser entschied sich für
den Baugrund Ecke Ringstraße/Schwarzenbergplatz, welcher damals einen untypischen
Standort für das Palais eines Mitglieds des Kaiserhauses darstellte. Die
Bauplätze am Ring waren nämlich eine Domäne des Großbürgertums.
Das zweite Haus, in der Achse mit dem Denkmal, springt etwas zurück, während
sich der daran anschließende Bau der Staatseisenbahngesellschaft wieder
nach dem erzherzöglichen Palais richtet. Die Gegenseite stellt das Spiegelbild
dar. Dieser Platz ist von seltener Einheitlichkeit und beispielloser Disziplin.
Das Pendant zum Palais des Erzherzogs war jenes für Franz Wertheim.
Der
Palast Ludwig Viktor sollte über einem Erdgeschoß (Stallungen,
Remise, Dienerschaft) ein Mezzanin zur teilweisen Wohnung enthalten; der 1. Stock
als Hauptgeschoß die Repräsentationssäle, die Salons des Erzherzogs
sowie die Wohnung seiner Frau. Im 2. Stock waren die übrigen Wohnungen für
den Hofstaat und die Dienerschaft unterzubringen.
1864 wurde der Bau begonnen und 1866 äußerlich vollendet. Die Innenausstattung
wurde wegen anderwertiger Bauinteressen des Erzherzogs sowie aus Geldmangel erst
ein Jahr später in Angriff genommen. Der Kaiser kürzte die finanziellen
Zuwendungen für seinen jüngsten Bruder, da sie dieser in einschlägige
Etablissements fließen ließ. Endgültig fertiggestellt wurde das
Palais 1869.
Aufgrund seines Lebenswandels wurde der Erzherzog einige Jahre später vom
Kaiser in Salzburg-Kleßheim interniert und sein Palais 1911 an das Militärkasino
verkauft.
Das
Palais Wertheim entstand in vierjähriger Bauzeit und war 1868 fertiggestellt.
In seiner äußeren Form ähnelt es dem Palais Viktor. Die Ausgestaltung
war jedoch weniger prunkvoll und den Ansprüchen Wertheims entsprechend praktischer.
Franz Wertheim war der Sohn eines kleinen Kaufmanns in Krems/Donau. Seine Reisen
führten ihn durch Deutschland, Frankreich und England, wo er die hochentwickelte
Werkzeugindustrie kennenlernte. Nach seiner Rückkehr begann er ebenfalls,
Werkzeug zu erzeugen.
Im Revolutionsjahr 1848 war in sein Büro eingebrochen worden. 600 Gulden
hatten die Diebe aus einer eisernen Truhe entwendet. Diese üble Erfahrung
weckte in Wertheim den Wunsch nach einer einbruchs- und feuersicheren Kassa. Auf
der Weltausstellung 1851 in London sah er das Modell einer solchen und erwarb
das Patent für Österreich.
Am 15. März 1869 feierte er ein großes Fest anläßlich der
Herstellung der 20.000sten Kassa - die erste Festveranstaltung eines Industireunternehmers
mit der gesamten Belegschaft. Und alles, was Rang und Namen hatte, erschien -
über 1.200 Personen! Josef Strauß dirigierte dabei die eigens für
diesen Anlaß komponierte Polka "Feuerfest".
Im selben Jahr begleitete Wertheim den Kaiser als industrieller Experte zur Eröffnung
des Suez-Kanals. 1871 wurde ihm der Kronenorden zweiter Klasse und damit der Freiherrenstand
verliehen.
Direkt an dieses Palais anschließend entstand in den Jahren 1868 bis 1870
für Wertheim ein Mietshaus, in das die türkische Botschaft untergebracht
wurde.
Mit diesen beiden Palais gelang es Ferstl, sich nach dem Bau der deutlich aus
der Straßenflucht zurückgesetzten Votivkirche als "Ringstraßenarchitekt"
zu profilieren. Er deutete in der Fassadengestaltung der beiden als Pendants konzipierten
Palais die soziale Differenz der Bauherren an (Hochadel - Großbürgertum;
Säulenordnung - Pilaster; Skulpturen - Hermen).
Am 50. Jahrestag der Schlacht
wurde der Grundstein des Denkmals gelegt, am 20. Oktober 1867 wurde es endlich
vollendet.