Der Stadtpark
Im
Bereich des ehemaligen Wasserglacis vor dem Karolinentor entstand der Stadtpark
und wurde als erste Parkanlage Wiens für das "gemeine Volk" freigegeben.
Der Landschaftsmaler Josef Selleny plante sie im englischen Landschaftsstil, der
Stadtgärtner Rudolf Siebeck, der später auch den Rathauspark gestaltete,
übernahm die Durchführung. Am 21. August 1862 fand die Eröffnung
statt.
Der Parkteil am linken Wien-Ufer sollte freie Durchsichten über Wiesen- und
Wasserflächen bieten und den Charakter eines Ziergartens mit schönen
Sträuchern sowie gepflegten Blumenbeeten haben. Dort sind die künstlich
angelegten Seen zu finden, an denen sich viele, inzwischen wohlgenährte Wasservögel
angesiedelt haben.
Am rechten Flußufer entstand ein Jahr nach der Eröffnung der durch
seine hohen Bäume schattigere "Kinderpark", der vom 1. Bezirk aus
über die eiserne Karolinenbrücke zu erreichen ist.
1867 erbaute Johann Garben den Wiener Kursalon im italienischen Renaissance-Stil.
1906
begannen Friedrich Ohmann und Josef Hackhofer mit der Einwölbung des Wien-Flusses.
Sehenswert sind das Jugendstilportal, durch das der Fluß wieder ans Tageslicht
tirtt, sowie die flankierenden Pavillions, Freitreppen und Uferpromenaden.
1907 übersiedelt das Stadtgartenamt vom Rathaus in das von Pürzl &
Bittner im Stadtpark errichtete Gebäude. Es präsentiert sich im späten
Jugendstil und fällt durch den stets meisterlich bepflanzten Vorgarten auf.
Zu finden ist es gegenüber dem Hotel Intercontinental, im 3. Bezirk, Am Heumarkt
2B, Ecke Johannesgasse.
1941
und 1973 wurde eine Reihe von Gehölzen unter Naturschutz gestellt: so zB
ein Ginko, ein Christusdorn, eine Pyramidenpappel und eine Kaukasische Flügelnuß.
An den meisten Bäumen hängen Schilder mit ihrer deutschen und lateinischen
Bezeichnung.
Johann
Strauß (1825 - 1899)
Im Stadtpark nahe dem Kursalon steht das vermutlich am meisten fotografierte Denkmal
Wiens: der vergoldete Johann Strauß Sohn. Bitte nicht die Beschichtung
abkratzen! Was wie Gold aussieht, ist Goldbronze.
Das Denkmal stammt von Edmund Hellmer aus dem Jahr 1921.
Kopien dieses Denkmals befinden sich seit der Expo'90 in Osaka (Japan) und seit
der Expo'99 in Kunming (China).
Mehr über die Strauß-Dynastie.
Franz
Schubert (31.1.1797 - 19.11.1828):
"Fleißig, fleißig", würde man heute zum Vater Schuberts
sagen, denn Franz war das 12. von 19 Kindern. Der Sohn eines Lehrers war von 1808
- 1813 Hofsängerknabe. 1814 trat er als Gehilfe in die Schulstube seines
Vaters ein, doch nach 3 Jahren verließ er sein Elternhaus und führte
fortan die unsichere Existens eines Künstlers mit ständigen Geldsorgen.
Zuerst wohnte er in der Spiegelgasse 9 bei seinem Freund Franz von Schober, später
als Untermieter bei der Tabakhändlerswitwe Anna Sanssouci, dann bei seinem
Bruder Ferdinand.
Schubert war eine typische Figur des Wiener Biedermeiers. Vom öffentlichen
Erfolg nicht verwöhnt, wurde die "Schubertiade" jedoch bald zum
Begriff für einen biedermeierlichen Hausabend mit Freunden. Schubert starb
31jährig nach schwerer Krankheit. Er wurde auf eigenen Wunsch neben dem Grab
von Beethoven, dem er zu Lebzeiten nie begegnet war, auf dem damaligen Währinger
Ostfriedhof beigesetzt.
Als "Romantiker der Klassik" ist dieser Komponist in die Musikgeschichte
eingegangen, zu Recht auch als "Liederfürst", hat er doch dem Kunstlied
neue Wege gewiesen.
Trotz
seiner geringen Lebensdauer hinterließ er ein großes Werk, u.a. mehr
als 600 Lieder, acht Symphonien, sieben Messen, 15 Streichquartette, Tänze
und Klavierstücke.
Das Denkmal, vom Wiener Männergesangverein gestiftet und nun in der Obhut
der Gemeinde Wien, zeigt den Komponisten mit Notenheft und Bleistift. Die Reliefs
des Sockels stellen die Phantasie als Frauengestalt mit Sphinx dar, die Figuren
links und rechts versinnbildlichen die Instrumentalmusik und den Gesang. Der Bildhauer
Carl Kundmann meißelte das Monument, für den Sockel sorgte der Ringstraßenarchitekt
Theophil Hansen. Am 15. Mai 1872 wurde es enthüllt.
Und wenn man ganz genau schaut, sieht man auch den Hut, den ihm eine mitleidige
Seele aufgesetzt hat.
Mehr über Franz Schubert.
Franz
Lehár (1879 - 1948)
Das Monument wurde erst 1980 im Stadtpark aufgestellt. Franz Coufal setzte die
riesigen Marmorblöcke zusammen.
Lehár war Ungar. Als Sohn eines Militärkapellmeisters kam er mit 29
Jahren nach Wien und schrieb hier Walzer, Märsche, Lieder und Tänze.
Er war bald so erfolgreich, daß er die Armee verließ und sich das
Schikanederschlößl in der Hackhofergasse 18 im Nobelbezirk Döbling
kaufte. Während des Zweiten Weltkriegs wohnte er in Bad Ischl und seinen
guten persönlichen Kontakten war es zu verdanken, daß seine jüdische
Frau Sophie nicht verhaftet wurde. Nach dem Krieg lebte Lehár in Zürich.
Prof. Robert Stolz (25.8.1880 - 27.6.1975):
Der Komponist war der letzte große Meister der Wiener Operette und ein erfolgreicher
Vertreter der Wiener Unterhaltungsmusik. Sein Lebenswerk umfaßt rund 60
Operetten, Singspiele und Ballette, die Musik zu 25 Eisrevuen und 98 Filmen sowie
2.000 Lieder, Walzer und Märsche. 1938 - 1946 Emigration in die USA.
Prof.
Hans Makart (28.5.1840 - 3.10.1884) (Marmorstandbild),
im Festzugskostüm von 1879. Er war der populärste Historienmaler seiner
Zeit. Bejubelt wurde vor allem die Virtuosität der Malerei und die Kraft
der Farben. Den Höhepunkt seiner Popularität erreichte er, als er 1879
den Festzug anläßlich der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares gestaltete.
An diesem denkwürdigen Ereignis nahmen 10.000 Menschen teil.
Als Sohn eines Zimmeraufsehers im Schloß Mirabell besuchte er die Kunstakademie,
wurde aber als untalentiert entlassen. Er unternahm daraufhin Studienreisen nach
London, Paris und Italien. Nachdem der Kaiser Franz Joseph ein Bild von ihm gekauft
hatte, kehrte Makart nach Wien zurück.
Der Maler, der als Professor für Historienmalerei an der Akademie unterrichtete,
wurde zum großen Star innerhalb der Künstlerwelt seiner Zeit. Berühmt
waren auch die rauschenden Feste in seinem prunkvoll ausgestatteten Atelier in
der Gußhausstraße (4. Bezirk).
Sein Denkmal wurde von privaten Verehrern bei dem Bildhauer Viktor Tilgner und
dem Architekten Fritz Zerritsch in Auftrag gegeben und bezahlt. Die feierliche
Enthüllung fand am 13. Juni 1898 statt. Danach wurde es der Gemeinde Wien
übergeben.
Anton
Bruckner (Bronzebüste)
Am 21. November 1861 legte in der Piaristenkirche Maria Treu der ehemalige Sängerknabe
aus dem Stift St. Florian/Oö. seine Kompositionsprüfung ab. Johann Herbeck,
Chordirigent und späterer Hofkapellmeister, fügte dem Improvisationsthema
noch vier schwierige Takte hinzu. Bruckner verblüffte die Kommission mit
seiner Darbietung. "Er hätte uns prüfen sollen", meinte Herbeck,
als der junge Musiker geendet hatte. Bruckner erwiderte bescheiden: "Und
jetzt will ich mich dem Komponieren widmen." Er blieb in Wien und unterrichtete
am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde.
Die Aufführung seiner Siebenten Symphonie in Leipzig machte ihn weltberühmt.
Kaiser Franz Joseph stellte ihm eine Wohnung im Oberen Belvedere zur Verfügung,
gewährte ihm ein Stipendium und beglich die Druckkosten für zwei Symphonien.
Das jetzige Denkmal im Stadtpark ersetzte jenes, das von Vandalen schwer beschädigt
wurde. Es wurde 1988 aufgestellt und von Stefan Kameyeczky angefertigt.
Dr.
Andreas Zelinka (23.2.1802 - 21.11.1868), 1851 -
1860 Bürgermeister-Stellvertreter und 1861 - 1868 Bürgermeister von
Wien, unter dessen Regierung der Stadtpark gestaltet wurde.
Mit ihm begann die liberale Ära im Wiener Gemeinderat. In seiner Amtszeit
wurden die Planungen für die Donauregulierung, die Hochquellenwasserleitung
und die Anlage des Wiener Zentralfriedhofes vorangetrieben.
Das Denkmal stammt von Franz Pönninger, der es 1877 geschaffen hat.
Jakob
Emil Schindler (1842 - 1892)
wird als Hauptvertreter einer gemäßigten Wiener impressionistischen
Landschaftsmalerschule bezeichnet. Das Denkmal wurde 1895 geschaffen und stammt
von Viktor Tilgner. Oder von Edmund Hellmer (der auch den goldenen Strauß
geschaffen hat) - darüber gehen die Meinungen in der Literatur auseinander.
Hans
Canon (1829 - 1885)
Er hat nichts mit der gleichnamigen Kamera-Firma zu tun, sondern sein Name ist
ein Pseudonym für Johann von Strasiripka. Er wurde in Wien geboren, war Schüler
von Waldmüller und Rahl, und diente einige Jahre als Offizier in der österreichischen
Armee. Danach bereiste er Europa und den Orient. 1874 kehrte er nach Wien zurück.
Daß das Denkmal an der Ringstraße steht, begründet sich darin,
daß Canon, eigentlich Porträtist, zur Monumentalmalerei wechselte und
zahlreiche Ringstraßenbauten mit seinen Malereien und Fresken verzierte:
die Universität, das Naturhistorische und Kunsthistorische Museum, das Burgtheater,
das Heeresgeschichtliche Museum sowie die Akademie der bildenden Künste.
Seine Spezialitäten waren historische Gemälde und Genrebilder, seine
Vorbilder Rubens und Tizian. Er fertigte sowohl für Privatpersonen als auch
für Personen des öffentlichen Lebens unzählige Porträts an.
und ganz versteckt bei einem Stufenabgang zur Wien:
