-RINGSTRASSE

Die Votivkirche

Votivkirche - Baufortschritt 1857.
Baufortschritt 1857

Votivkirche - Baufortschritt 1859
Baufortschritt 1859

Votivkirche - Baufortschritt 1860
Baufortschritt 1860

Am 18. Februar 1853 ging Kaiser Franz Joseph mit seinem Adjudaten Maximilian Karl von O'Donell auf der Bastei spazieren. Plötzlich stürzte sich der fanatische ungarische Schneidergeselle Libenyi mit einem langen Messer auf ihn. Nur dem hohen, harten goldbestickten Kragen der Uniformjacke ist es zu verdanken, daß das Messer abglitt und der Kaiser lediglich eine tiefe Halswunde davontrug. Der Attentäter konnte nach einem heftigen Kampf überwältigt werden.

Gleich nach dem Attentat stellte sich des Kaisers jüngerer Bruder, der spätere Kaiser Maximilian von Mexico, an die Spitze einer die ganze Monarchie umfassenden Werbekampagne und ließ die Votivkirche (votivus [lat.] = gelobt, versprochen) errichten, die "den Dank der Völker Österreichs an die Vorsehung gleichsam in Stein fassen sollte". Unmittelbar nach seinem Aufruf spendeten mehr als 300.000 Personen für den Bau. Sogar aus Ländern wie Syrien und Ägypten kamen Beiträge.

Ursprünglich hätte die Kirche dicht hinter dem Belvedere stehen sollen. Damit hätte sich die kirchliche Gewalt demonstrativ dem architektonischen Symbol der waffenführenden Macht - dem Arsenal - vor die Nase gesetzt. Letztere erwies sich aber als die stärkere, und der Plan wurde auch wegen der ruhestörenden Nähe von Ost- und Südbahnhof, fallen gelassen. Nach einigen anderen Standortvorschlägen fand die Votivkirche endlich ihren Bauplatz im nördlichen Teil des Exerzier- und Paradeplatzes. Vom Bau der Ringstraße war damals noch keine Rede.

Sie hätte nach dem Muster der Londoner Westminsterabtei zu einer vaterländischen Ruhmeshalle ausgestattet werden sollen. Doch auch hier zeigte sich die Armee stärker als die Kirche - die vaterländische Ruhmeshalle entstand im Herzen des Festungsviertels vom Arsenal.

Die Ausschreibung verlangte "Anlehnung an die Gothik". 75 Projekte wurden eingereicht.

Die Geldmittel für diesen Bau aufzutreiben war, als die erste Euphorie der Bevölkerung über den Anschlag auf den Kaiser vorbei war, nicht einfach. Spenden aus den Ländern der Monarchie gab es keine, denn niemanden interessierte inzwischen die "Danksagung Maximilians". Die geplante Bauzeit von 12 Jahren sowie die Kosten wurden weit überschritten.

Am 24. April 1879, nach einer Bauzeit von 23 Jahren, war das Werk vollendet. Zur Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares wurde die Kirche geweiht. Stifter sowie Architekt Heinrich Ferstel erlebten diesen Tag nicht mehr.

Besonders sehenswert ist die "Barbara-Kerze" aus dem Jahr 1930. Sie ist 264 kg schwer, 4 m hoch, hat einen Durchmesser von 30 cm und besteht aus 1.660 Fäden. Ihre Brenndauer soll 100 Jahre sein.


Votivkirche vom Rathausplatz gesehen. Foto: Tjaky