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Der
Teufel auf dem Bisamberg
Der Steinbauer vom Kahlenbergerdorf ist
mit seinem Hof arg verschuldet. Einzig und allein seine Tochter Resi reich zu
verheiraten, sieht er als Möglichkeit, aus seiner mißlichen Lage herauszukommen.
Das weiß auch der Poldl, der die Resi liebt, aber er ist arm wie eine Kirchenmaus
und der Letzte, der für den Steinbauer als Schwiegersohn in Betracht käme.
Traurig wandert der Poldl den Bisamberg hinauf, überlegt hin und her, grübelt,
daß er schon Kopfweh hat, aber es fällt ihm nichts ein, wie er seine
finanzielle Situation schnell verändern könnte. Es ist Frühling,
aber die Schönheiten der Natur um ihn herum bemerkt er gar nicht. Er ist
so in Gedanken versunken, daß er an einer Wegkreuzung glatt einen Jäger
über den Haufen rennt.
"Entschuldigung", stammelt er verlegen.
"Macht ja nichts", sagt der Fremde mit der roten Hahnenfeder am Hut
freundlich. "Mir sind deine Probleme bekannt. Und ich kann dir helfen."
"Mir kann nur ein Wunder helfen", seufzt Poldl.
"Oder der Teufel", grinst der Fremde, macht eine Verbeugung und zwinkert
dem Burschen zu. Er zieht einen Bogen Papier aus dem Wams. "Du brauchst hier
nur mit einem Tropfen Blut zu unterschreiben und ich mache dich zu einem reichen
Mann."
Nun weiß Poldl, mit wem er es zu tun hat. Die Aussicht, schnell zu Geld
zu kommen, ist verlockend, aber ein Pakt mit dem Teufel gefällt ihm gar nicht.
"Wie weiß ich denn, ob's funktioniert?" wirft der Poldl ein. "Da
überschreib' ich Euch meine Seele, und dann passiert vielleicht gar nix!
Ich will auf rechtschaffene Weise zu Geld kommen, im Spiel gewinnen oder einen
Schatz finden."
"Also gut", meint Der Teufel. "Zum einen geb ich dir diesen Goldtaler.
Der ist dein Einsatz für heute Abend. Im Gasthaus "Zur roten Adler"
spielen ein paar reiche Kaufleute Karten. Spiel mit und du wirst nicht verlieren.
Am Sonntag dann gräbst du in deinem Gemüsegarterl. Und genau in dem
Moment, wo der Steinbauer vom Frühschoppen nach Haus geht und bei dir vorbeikommt,
wirst einen Schatz finden. Dann gibt er dir die Resi zur Frau."
"Meinetwegen. Wenn's eintrifft und alles so passiert, dann treffen wir einander
wieder, an dieser Wegkreuzung, unter diesem Baum, wenn der Baum kein einziges
Blatt mehr trägt. Und dann unterschreib ich."
Ganz wohl ist dem Poldl bei der Sache nicht, aber er tut, wie ihm der Teufel geheißen,
geht zum Kartenspiel, gewinnt viel Geld, findet auch den Schatz, bekommt die Resi
zur Frau und macht den Hof schuldenfrei. Und je mehr von dem eintrifft, was er
sich gewünscht hat und je mehr das Jahr auf den Winter zugeht, umso mehr
schlägt es sich ihm aufs Gemüt, daß es auch der Rosi auffällt
und sie ihren Gatten nach seinen Sorgen fragt. Gerne erzählt er ihr von seinem
Leid.
"Was war denn das für ein Baum, unter dem ihr euch treffen wollt?"
erkundigt sie sich.
"Eine Eiche", antwortet
Poldl.
"Das ist gut", jubelt Resi, die sich mit Pflanzen auskennt. "Da
wird der Teufel lange auf deine Seele warten müssen."
Als der Herbst ins Land kommt, ergötzt sich der Teufel hämisch am fallenden
Laub. Von der Eiche aber ist er enttäuscht. Die hat es gar nicht eilig mit
dem Laub abwerfen. Sie hat noch kein einziges Blatt verloren. Er freut sich über
die ersten Herbststürme, aber auch die richten bei der Eiche nichts aus.
Frost und Eis im darauffolgenden Winter lassen ihre Blätter braun und runzlig
werden. Aber selbst die Last des Schnees wirft sie nicht ab. Da weiß der
Teufel, daß er der Betrogene ist.
Als er im Frühjahr wieder bei der Eiche vorbeischaut und die ersten jungen
Blätter erblickt, wird er so wütend, daß er über den Baum
herfällt und von oben bis unten die jungen Triebe zerkratzt. Seither haben
die Eichenblätter ihre gebuchtete Form.
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