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Der
Teufel und die Bognerin
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts lebt in Wien
der Bognermeister Kaspar Pergauer. Er hat eine kleine Werkstatt in der Bognergasse.
Sein Geschäft geht gut, die Arbeit macht ihm Spaß und mit seinem Einkommen
ist er zufrieden. Er könnte der glücklichste Mensch der Welt sein -
wäre da nicht sein Weib Ursula!
Man hat ihn gewarnt vor dieser Frau, lange, bevor sie geheiratet haben. "Die
hat a Pappn wia a Schwert", haben seine Freunde zu ihm gesagt. Gerade das
gefiel ihm damals an ihr, daß sie sich nichts gefallen ließ und stets
eine lustige Retourkutsche auf Lager hatte.
Nach der Hochzeit hat sich Ursula verändert. Ihr scharfes Mundwerk hat sie
behalten, aber der "Schmäh" war ihr abhanden gekommen. Und das
Ziel ihrer Angriffe ist nur noch er. Zuerst war er nach der Arbeit ins Wirtshaus
geflüchtet. Danach gab es zu Hause stets Streit mit Ursula. Später,
als er nur noch selten die Freunde in der Gaststube aufsuchte, verlachten sie
ihn als Pantoffelheld. Nun hat er neben dem Schaden mit der Frau auch noch den
Spott seiner Freunde.
Als es die Bognerin eines Abends besonders arg treibt, packt sich der Meister
zusammen und verläßt das Haus. In die Gaststätte will er nicht
gehen, also wandert er plan- und ziellos durch die laue Sommernacht, neidvoll
auf die verliebten jungen Pärchen blickend, die glücklich an ihm vorüberziehen.
Irgenwann findet er sich auf dem Petersfriedhof wieder, wo er sich erschöpft
auf einem alten Grabstein niederläßt.
"Ach", seufzt er. "Ich kann dieses Weib nicht mehr ertragen! Möge
sie doch der Teufel holen!"
"Wen soll ich holen?" fragt eine unheimliche, düstere Gestalt,
die ganz plötzlich vor dem Bogner aufgetaucht ist. "Ich bin zur Stelle,
wenn man mich ruft! Was kann ich für dich tun?"
"Nein, nein!" ruft der Kaspar, der ja kein Unmensch ist. "Du brauchst
sie nicht gleich mitnehmen! Aber vielleicht kannst ihr einen Schreck einjagen
und der alten Beißzange a bisserl Manieren beibringen!" Und dann fügt
er deprimiert hinzu: "Aber an der Giftnudel beißt sich sogar ein Teufel
die Zähne aus!"
"Das wäre doch gelacht, wenn nicht einmal ich dazu imstande wäre",
brüstet sich der Teufel. "Ich wette, daß ich es schaffe!"
"Um was wetten wir?"
"Hm", der Leibhaftige überlegt. "Wenn ich es schaffe, in den
nächsten drei Tagen aus deinem Weib ein zahmes Lämmchen zu machen, darfst
du dein schönes Leben noch viele Jahre genießen - aber dann komme ich
und hole mir deine Seele. Wenn ich es allerdings nicht schaffe, was so gut wie
unmöglich ist, dann verzichte ich nach deinem Tod auf deine Seele, egal,
wie du dein Leben gelebt hast, denn dann hast du bereits auf Erden alle deine
Sünden an der Seite dieses Weibes abgebüßt."
Der Bogner ist einverstanden.
"Noch eine Bedingung hab ich!" sagt der Teufel.
"Was denn?" fragt der Kaspar mißtrauisch.
"Während der nächsten drei Tage darfst dich nicht daheim blicken
lassen!"
Na, da willigt der Mann doch gerne ein!
Am nächsten Morgen erscheint der Teufel in der Gestalt des Pergauers im Haus
des Bognermeisters. Er hat sich vorgenommen, es erst einmal in Güte zu versuchen.
Leise begibt er sich in Ursulas Schlafzimmer, wo die Frau schnarchend im Bett
liegt. Er beugt sich über sie, um sie mit einem Kuß zu wecken. Als
sie die Augen aufschlägt und ihren vermeintlichen Gatten erblickt, fährt
sie sofort auf.
"Du traust dich heim?" kreischt sie. "Die ganze Nacht hab ich auf
dich gewartet! Aber du treibst dich herum, gehst lumpen und herumhuren! Und dann
kommst z'Haus und tust so, als wär nix g'wesen ..." Ohne ihre Rede zu
unterbrechen, packt sie den verdutzten Teufel am Ohr und zieht ihn hinter sich
nach in die Küche, wo sie ihm gleich anschafft, Feuer im Ofen zu machen und
Wasser zu holen.
So setzt sich der Tag fort. Sie kreischt, schimpft und flucht, daß sogar
der Teufel manchmal erblaßt, hetzt ihn von einer Arbeit zur nächsten
und wenn er auch nur eine Sekunde zögert, hat er gleich einen kräftigen
Hieb in die Rippen oder ein paar feste Watschen.
Am Ende des Tages schleicht er sich aus dem Haus. Die Ohren sausen ihm, das blaue
Auge, das er sich eingefangen hat, schmerzt und seine Rippen tun auch weh.
"Mit Liebe und Güte ist da nichts zu machen", resümiert er
für sich selbst. "Morgen werd' ich dieser Furie anständig ins Gewissen
reden."
Den nächsten Morgen reißt der Teufel sofort das Wort an sich und gibt
der Bognerin gar keine Chance zur Widerrede, wobei er aber immer höflich
und korrekt bleibt. Er erklärt ihr, was sie falsch macht, daß sie nicht
fluchen soll und wie sich ein braves Eheweib benehmen soll. Bis zum Mittag hört
sie sich auch ganz ruhig an, was er zu sagen hat. Der Teufel glaubt schon an einen
ersten Erfolg.
Plötzlich braust sie auf und schreit wütend: "Was glaubst denn,
wer'st bist? Meckers die ganze Zeit an mir herum? Ich schufte mich ab für
dich und du kannst nur nörgeln, nörgeln, nörgeln ..." Und
dann prasseln die wüstesten Schmähungen auf den Teufel nieder, daß
er einem fast leid tun könnte.
Als ihre Wut den Höhepunkt erreicht, reißt sie den Suppentopf vom Herd
und gießt dem Teufel die kochende Brühe über den Kopf. Der schreit
auf und ergreift die Flucht. Er läuft und läuft, bis ihm die Luft ausgeht.
"Zur Hölle mit dem Weib!" flucht er. "Nein!" schreit
er sogleich. "Dann hab ich die Alte ja für alle Ewigkeit am Hals! Das
schwör ich, zu mir in die Hölle kommt die nie rein. Warte nur, du bissiges
Weib, morgen wirst' was erleben!"
Am dritten Tag tritt er vor Ursula in seiner wahren Gestalt hin. Ursula erschrickt.
"Ich hab's in Güte versucht und mit Strenge", grollt er. "Aber
nichts scheint dich zur Vernunft zu bringen. Jetzt ist meine Geduld zu Ende. Ab
jetzt bist du sanft wie ein Lamm, sonst kannst' was erleben!"
"Jetzt ist meine Geduld zu Ende" äfft Ursula, die sich sehr rasch
wieder gefangen hat, ihn nach. "Du Wabbler drohst mir? Meine Geduld ist jetzt
zu Ende!"
Der Leibhaftige zuckt zusammen, so überrascht ist er von ihrer Reaktion.
Jetzt packt sie ihn auch noch bei den Hörnern und reißt so kräftig
daran, daß sie ihm doch glatt eines abbricht! Der Satan ist darüber
ganz verdutzt. Und so bemerkt er auch erst, daß sich Ursula das Nudelholz
gegriffen hat, als die Hiebe auf ihn niederprasseln, daß ihm hören
und sehen vergeht.
Das ist sogar dem Teufel zu viel. Unter höllischem Schwefelgestank fährt
er durch den Kamin zum Haus hinaus. Die Bognerin schreit ihm dabei noch heftige
Verwünschungen nach.
Kaspar Pergauer hat zwar seine Wette gewonnen, seine Ruhe auf Erden ist jedoch
endgültig dahin. Wenn nicht einmal der Leibhaftige imstande ist, die Ursula
zu zähmen, was soll denn er schwaches Erdenwürmchen da noch ausrichten?
Er lebt noch lange und büßt an der Seite seines Weibes sogar Sünden
ab, die er nie begangen hat. Alls er stirbt, kommt er geradewegs in den Himmel.
Die Bognerin kommt nach ihrem Tod ebenfalls nicht in die Hölle. Der Teufel
verwehrt ihr strikte den Zutritt. So irrt nun irgendwo ihre ruhelose Seele bis
zum heutigen Tag umher.
Zum Gedenken an den armen Kaspar wurde in der Bognergasse 3 ein Bild angebracht,
unter das folgende Worte geschrieben wurden:
Pestilenz und Not ein Übel ist,
Krieg ein arger Zeitvertreib.
Doch schlimmer als Teufels Tück' und List
Ist - Gott behüt uns - ein böses Weib.
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