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Der
Teufel im Krapfenwaldl
Einst
benutzten die wandernden Handwerksburschen die Pfade, die durch den Wienerwald
über den Cobenzl und Kahlenberg führten. So auch der Alois, Schmied,
der im strengen Februar des Jahres 1612 von Klosterneuburg nach Wien marschierte.
Es war bitter kalt, der Wind blies und dem Alois klapperten die Zähne, denn
im Magen hatte er auch nichts. Auf einer Waldlichtung machte er Rast, ruhte ein
bißchen die müden Beine aus und genoß den Ausblick über
die Stadt.
"So gut wie die feinen Leut da unten müß't man's haben",
sagte er zu sich selbst. "Die feiern Fasching und lassen sich die Krapfen
schmecken. Ich hab' net amal a Stückl Brot in der Tasch'n!"
Plötzlich stand eine Schüssel mit dampfenden Krapfen vor ihm. Er erschrak.
Das konnte ja nicht mit rechten Dingen zugehen. Doch die Krapfen dufteten so herrlich
und ihr Staubzuckerhäubchen glitzerte so fein, da konnte sich der Bursche
nicht mehr beherrschen und langte zu. Dem ersten Krapfen folgte der zweite, dann
der dritte. Und so ging es weiter, bis die Schüssel leer war.
"Ui, des woa guat!" rülpste Anton.
"Magst noch welche?" fragte plötzlich eine Stimme. Vor ihm stand
ein kleines, schwarz gekleidetes Männchen.
"Aber ja", antwortete der Bursche fröhlich, denn so eine Gelegenheit
wollte er sich nicht entgehen lassen. "Und du verlangst gar nix dafür?"
"Oh doch", sagte das Männchen, schnippte mit den Fingern und die
Schüssel war wieder vollgefüllt. "Ich bin der Teufel und will deine
Seele dafür."
"Die ist aber teuer verkauft für a paar Krapf'n!"
"Nun, du sollst ein Jahr lang zu essen und trinken wünschen können,
was du willst und alles wird so schnell vor dir stehen wie diese Krapfen. Nach
einem Jahr komme ich und hole mir deine Seele."
Alois hatte einen mächtigen Schreck bekommen, aber langsam fand er seinen
Witz wieder. Ein Jahr lang essen und trinken bis zum Platzen und dafür in
der Hölle schmoren, schien ihm ein schlechtes Geschäft zu sein. Er hatte
aber schon einen Plan, wie er den Teufel hineinlegen könnte.
"Du kannst mir da viel erzählen, du klanes Manderl, du", sagte
er. "Wie weiß ich denn, ob du wirklich der Teufel bist?"
"Stell mich auf die Probe!"
"Dann mach dich groß wie eine Eiche."
Das Männlien wuchs und wuchs, bis es riesig groß war.
Da rief der Anton: "Genug! Jetzt mach dich klein wie eine Eichel!"
Der Riese schrumpfe so lange, bis er ganz klein war.
Da packte der Bursche das Männchen blitzschnell, steckte es in seinen leeren
Geldbeutel, zog die Riemen ganz fest zusammen und steckte den Beutel ein. Dann
lief er, die Schüssel mit den Krapfen unter dem Arm, hinunter zum Schmied
nach Grinzing. Dort holte er sich einen schweren Hammer, legte den Beutel auf
den Amboß und schlug auf den Teufel ein, daß dem schwummrig wurde.
"Laß mich raus!" flehte der schließlich und schwor: "Ich
laß dich auch sicher in Ruh!"
Anton öffnete den Beutel. Das Männchen hüpfte heraus, verwandelte
sich in einen grellen Blitz und fuhr den Kamin hinauf. Eine Weile stank es noch
nach Schwefel, aber der Spuk war vorbei.
Anton aber freute sich, daß er den Teufel hineingelegt hatte und nun doch
so günstig zu den Krapfen gekommen war. Er erzählte vielen von dieser
Begebenheit und noch oft hat ein Wanderbursche im Krapfenwaldl, wie es von da
an genannt wurde, Rast gemacht, um ebenfalls zu einer Schüssel mit Krapfen
zu kommen. Doch dort hat sich der Teufel nie wieder blicken lassen.
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